Die Schattenseite des Ruhms
Es hausen zwei Seelen in Marc Almonds Brust: Einerseits will der schwule Sänger ein authentischer Künstler sein, fühlt sich eher der Underground-Szene zugehörig, andererseits will er ein erfolgreicher Popstar sein. Das gelingt ihm erstmal perfekt, als er mit seinem Partner David Ball 1980 Soft Cell gründet und mit „Tainted Love“ den perfekten Popsong produziert.
Aber der Erfolg hat Schattenseiten, Marc Almond kommt mit dem plötzlichen Ruhm überhaupt nicht klar. Der Druck von Fans und Plattenfirma wird immer massiver, immer öfter betäubt Marc seine Ängste mit Drogen. 1984 bricht er zusammen. Im Krankenhaus beschließt er, niemals mehr ins Haifischbecken des Showbusiness zurückzukehren.
Duett mit dem Idol der Kindheit
Wieder genesen, hält er zum Glück nicht Wort. Nach wie vor arbeitet Marc mit Underground-Bands, an eigene Songs traut er sich nach seinem Absturz noch nicht. Er erinnert sich, wie er als kleiner Junge den Plattenschrank der Eltern plünderte. Da war auch eine Platte von Gene Pitney, die er damals rauf und runter spielte.
Was ist eigentlich aus dem Mann im weißen Smoking geworden? 1988 tingelt er weitgehend unbemerkt durch England, spielt auch eine Show in London, Marc Almond geht hin. Eigentlich hat Marc sein Album „The Stars We Are“ schon fertig, auch den großen Pitney-Hit „Somethings Gotten Hold Of My Heart” aus dem Jahr 1967 hat er aufgenommen, aber vielleicht sollte er ihn mal fragen, ob er ein Duett mit ihm singen will?
Videodreh in Las Vegas
Gene lässt sich nicht lange bitten, als ihn ein Anruf in Bristol erreicht. Er setzt sich sofort in den nächsten Flieger und singt seinen Part im Studio ein. Marc Almond trifft er übrigens im Studio nicht an. Die beiden sehen sich erst beim Video-Shooting in Las Vegas, Marc ganz in schwarzem Leder, Gene in seinem weißen Smoking. Danach ist Gene Pitney wieder im Rampenlicht und Marc Almond hat den größten Hit seiner Karriere, obwohl ihm das mit einem eigenen Song höchstwahrscheinlich besser gefallen hätte.
Autorin: Bettina Exner