Kiss wirkt blass
So langsam zieht ihre Masche nicht mehr, urteilt der Manager der Rockband Kiss, von denen niemand die wahren Gesichter kennt. Seit 1973 trägt jedes Bandmitglied die immer gleiche Maske aus Schminke. Bassist Gene Simmons ist der Dämon.
Aber auch die wilden Verkleidungen verlieren so langsam an Anziehungskraft, denn der Discotrend macht den Hardrockern das Leben zunehmend schwer. Diese Discowelle hatte zwei Jahre zuvor schon die Rolling Stones motiviert, einen tanzbaren Song zu komponieren, um weiter vorne mitzumischen ("Miss You").
Wo bleibt der Kick?
"Wir treten auf der Stelle", findet auch Gene Simmons. So sehr, dass Drummer Peter Criss, der Mann hinter der Katzenmaske, immer öfter zu tief in die Flasche schaut. Richtig anstrengen muss sich keiner mehr, es ist alles zur Routine geworden.
Peter schleppt schließlich einen neuen Produzenten an, Vini Poncia soll für frischen Wind sorgen. Dieser wiederum bringt seinen Freund Desmond Child mit. Gemeinsam machen sie sich daran, einen Discosong für die "Kisser" zu schreiben.
Kiss an der Grenze
Sie stehlen die besten Effekte aus bekannten Disco-Hits, mixen sie mit dem typischen Kiss-Stil. Gene Simmons und Peter Criss behagt der neue Song überhaupt nicht. Gene findet das Lied nicht authentisch, Peter kommt mit seinem Getrommel kaum hinterher.
Irgendwann entscheidet der Produzent schweren Herzens, Drummer Peter zu ersetzen. Frustriert verlässt der Mann mit der Katzenmaske Kiss, die bis heute erfolgreich ohne ihn musizieren.
So sorgt der von Peter Criss engagierte Produzent zwar für den größten Hit der Band, wird aber für ihn selbst zum Karrierekiller. Am Hungertuch muss der Gründer von Kiss nicht nagen, denn fairerweise erhält er bis heute ein Viertel aller Einnahmen.
Autorin: Bettina Exner