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Do, 24.05.2012 | 01:00 Uhr

Popgeschichten

Plattencover von Fleetwood Mac. Foto: promo

Fleetwood Mac - Rhiannon

Wie Stevie Nicks von einer Novelle zu einem Hit inspiriert wird.

Ein geisterhafter Name
Wochenlang hat Stevie Nicks im Herbst 1974 sie in den Rocky Mountains auf ihren Freund Lindsey Buckingham gewartet, während er mit den Everly Brothers auf Tournee ist. Als er endlich wieder kommt, gibt es Krach, er schnappt sich Pudel und Auto und flüchtet nach LA. Sie überredet ihren Dad, ihr ein Flugticket nach Los Angeles zu sponsorn, damit sich die beiden versöhnen können. Vom letzen Geld kauft sie ein dünnes Buch für den Flug. „Triad“ heißt die Novelle, Mary Leaders hat eine Geschichte über eine Waliserin geschrieben, deren Geist von einer anderen Frau namens Rhiannon „besetzt“ wird. Rhiannon, dieser Name gefällt Stevie.

Eine verwunschene Geschichte von Göttern und Prinzen
Der Sage nach ist Rhiannon eine keltische Gottheit, die Vögel erschaffen hat und Schutzpatronin der Pferde ist. Sie verdreht einem sterblichen Prinzen den Kopf, sie heiraten und bekommen ein Kind. Als das Baby auf geheimnisvolle Weise verschwindet, wird Rhiannon des Mordes bezichtigt und muss zu Strafe 7 Jahre am Schlosstor sitzen und Reisenden ihre Geschichte erzählen. Eines Tages reitet ein Adliger mit seiner Frau und einem Kind vorbei. Bevor Rhiannon ihre Geschichte erzählen kann, gibt der kleine Junge ihr sein Babytuch gibt, das Tuch, das sie selbst einmal für ihr Baby gewebt hat.

Es stellt sich heraus, dass der Edelmann den Säugling vor 4 Jahren während eines Sturmes auf einem Feld gefunden und ihn gerettet hatte. Als er von den schlimmen Gerüchten am Königshof hört, ist ihm klar, dass der Junge Rhiannons Kind sein und er es zu ihr bringen muss. Ein abgewiesener Verehrer hatte das Baby aus Rache entführt. Rhiannons Ehre ist wieder hergestellt und das Paar lebt glücklich bis ans Ende der Tage des Prinzen.

In 10 Minuten zum Hit
Von all dem hat Stevie Nicks keine Ahnung, als sie glücklich in LA landet und ihren Lindsey in die Arme nimmt. „Ist Rhiannon nicht ein schöner Name“, fragt sie ihren Freund beim Auspacken ihrer Sachen. Das findet Lindsey auch und Stevie schreibt in nur 10 Minuten einen Song über das, was der Name Rhiannon in ihrer Fantasie auslöst: ein Lied über eine unsterbliche Frau mit magischen Kräften, die stets von 3 Vögeln umgeben ist, deren Gesang das Leid und die Sorgen der Menschen einfach „wegzwitschern“.

Wie überrascht ist sie, als sie später in einem Buch über keltische Sagen liest, dass sich ihre komponierte Vision von Rhiannon mit dem Mythos deckt. Zwei Monate später holt Mick Fleetwood Stevie und Lindsey in seine Band. Wie gut, dass Stevie einen perfekten Nummer 1 Hit über eine Frau namens Rhiannon als Mitgift im Gepäck hat.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 30.9.2011

zum Nachhören 

Audio 05.08.2011

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