Treffen mit dem Idol
Als sich die beiden Exil-Engländer John Lennon und David Bowie 1974 in Los Angeles auf einer Party bei Liz Taylor kennen lernen, ist mindestens einer der beiden überglücklich. John Lennon ist Davids großes Idol und nun steht er da am Buffet herum.
Die Hollywood-Diva will mit Paradiesvogel Bowie unbedingt einen Film in Russland drehen, deshalb hat sie den jungen Popstar eingeladen. Sie macht die beiden bekannt, John hat schon einiges von dem Youngster aus seiner Heimat gehört.
Leiden auf hohem Nivau
Zur Begrüßung nuschelt John in feinstem Liverpooler Slang: „Ah, da kommt ja noch einer, der berühmt werden will“, David fehlen die Worte, wenig originell stammelt er nur: „Oh, John Lennon“. Trotz der einsilbigen Begrüßung verstehen sich die beiden auf Anhieb.
Zwischen Champagner und Kaviar jammert David zwar einerseits über die Schattenseiten des Ruhmes in England, er könne keinen Schritt mehr unbemerkt tun, aber andererseits wurmt es ihn, dass er in Amerika noch keinen großen Hit landen konnte.
John versteht ihn gut, wie oft verflucht er all die Paparazzi, die ihm und Yoko das Leben zur Hölle machen. Auch die Sache mit den Flops in Amerika kann er nachfühlen, schließlich wurde die Eroberung der USA durch die Beatles generalstabsmäßig geplant, kostete viel Zeit, Geld und Nerven.
"Heisse" Küsse bei der Grammy-Verleihung
Schon ein paar Tage später sehen sie sich hinter der Bühne bei den Grammy Awards wieder, David soll Soul-Queen Aretha Franklin die Trophäe überreichen. John und David nehmen ihr Gespräch wieder auf, David mault, Amerika verstehe ihn einfach nicht, er fühlt sich gründlich missverstanden von den Musikfans des großen Landes.
Als er Aretha Franklin im schicken Designer-Anzug den Preis überreicht, haut auch sie in die Kerbe. Sie sei so glücklich über den Preis, dafür würde sie sogar David Bowie küssen. Spricht es und verschwindet - ohne Kuss. Dafür huscht Lennon auf die Bühne und gibt David einen schmatzenden Kuss. „Siehst Du, Amerika liebt dich doch“, raunt er ihm ins Ohr.
Danach sind die beiden unzertrennlich, machen sogar zusammen Urlaub. Zurück in New York will David es noch mal wissen. Im Januar 1975 geht er ins Tonstudio, um es Amerika mal richtig zu zeigen. An der Seite sein Freund John Lennon, der im Aufnahmeraum auf der Gitarre jammt und sinnlose Texte vor sich hinbrabbelt. Bowie wird hellhörig, als das Wort „Fame“ fällt.
Sofort beginnt er einen Text zu schreiben, der ihm nun endlich den Ruhm in Amerika bringen soll. John spielt Rhythmus-Gitarre und singt den Refrain mit. Und tatsächlich, ihr gemeinsamer Song bringt David Bowie endlich die Berühmtheit in Amerika, nach der er sich so gesehnt hat:
Autorin: Bettina Exner