Kommerz oder Kunst?
Es ist ein ewiger Streitpunkt in der vielköpfigen Band Chicago. Die meisten wollen ihrem bombastischen Jazzrock treu bleiben, die anderen liebäugeln mit kommerzielleren Klängen. Besonders Leadsänger Peter Cetera ist dem Rest der Band oft ein Dorn im Auge, bzw. im Ohr.
Denn er steht auf melodiöse Popsongs, und er komponiert sie auch noch selbst. Aber rausschmeißen können sie ihn nicht, denn Peter hat eine einzigartige Tenorstimme, die niemand ersetzen kann. Auch die Plattenfirma stellt sich fast immer auf die Seite Ceteras, denn sie wollen schließlich Geld verdienen.
Keine Lust auf kommerziellen Erfolg
Schon als er 1977 „If You Leave Me Now“ schreibt, kommt es zum Eklat. Die Band weigert sich, den soften Song aufzunehmen, Produzent und Label zwingen sie dazu. Einziges Zugeständnis: der Titel wird nicht als Single veröffentlicht.
Aber da haben sie die Rechnung ohne die Radiosender gemacht, denn die lassen die jazzrockige Single links liegen und picken sich genau diesen Song von der LP. Völlig entnervt sind die Bandmitglieder, als der Titel auch noch einen Grammy gewinnt. Peter Cetera triumphiert, als ihn der Produzent zum Bandleader ernennen will.
Bandstreik
Mit diesem Wunsch beißt er jedoch bei den anderen auf Granit. Sie feuern den Produzenten. 5 Jahre später entbrennt wieder ein Streit. Peter ist mit „Hard To Say I’m Sorry“ eine Blaupause seines alten Hits gelungen. Wieder Meuterei bei Chicago. Diesmal jedoch bleiben die Musiker standhaft, sie weigern sich, den Song im Studio aufzunehmen.
Dann ebend mit Toto
Aber die Plattenfirma will die Rockballade unbedingt, also ruft Peter seine Freunde von Toto an. Kein einziger Musiker von Chicago ist dabei, als Peter mit dem Produzent David Foster und Steve Lukather, David Paich und Steve Porcaro den nächsten Smashhit von Chicago aufnimmt, ganz ohne Chicago.
Autorin: Bettina Exner