Fernöstliche Weisheiten
Ohne sein „I Ching“ geht George Harrison nirgendwo mehr hin. Es ist das älteste Buch der fernöstlichen Spiritualität. Die Texte gehen auf das 2. Jahrhundert vor Christi zurück.
George ist gerade bei dem Kapitel, das besagt, das alles auf der Welt irgendwie zusammenhängt. Auch auf dem Weg zu seinen Eltern hat er das Buch unterm Arm. Dabei kommt ihm die Idee, ein Lied über die ersten beiden Worte schreiben, die er in einem Buch findet.
Wein-Seligigkeit
Bei den Eltern angekommen, stürmt George wortlos zum Bücherregal, zieht einen Schmachtfetzen seiner Mutter heraus und liest: „Leise weint…“ Wer oder was weint, ist dem Beatle egal.
Er wird ein Lied über leises Weinen komponieren, denn es steht ja alles mit allem in Verbindung, es wird schon seinen Sinn ergeben. Das finden die beiden Chefsongschreiber der Beatles überhaupt nicht. John und Paul zucken nur gleichgültig mit den Achseln, als George den fertigen Song im Studio vorspielt.
Auch seine Erklärung für das Lied reißt sie nicht vom Hocker. Ringo sagt überhaupt nichts, Der ist gerade nach seiner wütenden Kündigung vor ein paar Wochen ins Studio zurück gekehrt und pult nun die Willkommensblumen von seinem Schlagzeug.
Fab Four im Stimmungstief
Es ist wie immer in der letzten Zeit. Die Spannungen zwischen den ehemaligen Freunden verdirbt die Stimmung in der Abbey Road. Da hilft auch keine fernöstliche Erleuchtung mehr.
Lustlos spielen sie Georges Lied ein, immer und immer wieder. Aber die Aufnahme wird dadurch nicht besser. Nach 42 Takes hat George die Nase gestrichen voll von der Ignoranz der anderen. Er weiß, er hat ein gutes Lied geschrieben.
With A Little Help
Frustriert fährt er an diesem Abend auf dem Heimweg bei seinem Freund und Nachbarn Eric Clapton vorbei, erzählt von seinem Ärger mit den anderen. Am nächsten Morgen nimmt er Eric mit nach London.
Der hat etwas an seiner Gitarre zu reparieren. Auf der Fahrt von Surrey in die Hauptstadt kommt George eine Idee. Vielleicht könnte ja sein Freund den Song retten.
Beatles-Beistand
„Was machst Du denn heute noch so“, fragt er scheinheilig in Richtung Beifahrersitz. „Nichts weiter“, entgegnet Eric ahnungslos. „Ok, dann komm bitte später in der Abbey Road vorbei, du musst den Song retten.“
Rigoros lehnt Eric ab. Noch nie hat ein fremder Musiker mit den Beatles gespielt. Das ist George egal. Es ist schließlich sein Song. Und plötzlich geht alles gut im Studio.
Die anderen strengen sich plötzlich fürchterlich an, als Mr. Gitarrengott persönlich seine rote Fender leise weinen lässt, aber aus rechtlichen Gründen nicht auf der Single erwähnt wird.