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Do, 24.05.2012 | 00:44 Uhr

Popgeschichten

Plattencover der Beach Boys. Foto: promo

Beach Boys - Good Vibrations

Wie die Beach Boys von Meereswellen zu elektrischen Schwingungen wechseln.

Hobby-Psychologin in der Küche
Immer wenn die Wilson-Brüder mit ihrem Cousin Mike Love in der Küche von Mama Audree hungrig aufs Essen warteten, plapperte Mrs. Wilson während des Kochens über gewisse Vibrationen, die Menschen ausstrahlen. Bei Menschen mit guten „Vibrations“ würden Hunde nicht kleffen, sondern neugierig schwanzwedelnd näher kommen, bei negativen Schwingungen würden sie bellen. Das klang zwar einleuchtend, aber die Vorstellung war den Jungs trotzdem unheimlich.

Platte mit Anspruch
Jahre später - die Beach Boys räumen mit ihrem blonden, sonnigen „Surf-Sound“ mächtig ab - erinnert sich Brian Wilson an die Worte der Mama, als er - frustriert über den mäßigen Erfolg des letzten Beach Boys Albums - es allen noch einmal zeigen will. Brian will eine Popsinfonie aufnehmen, die hohen künstlerischen Ansprüchen genügt und trotzdem von den Fans gekauft wird. Während seine Brüder auf Tournee gehen, verschanzt sich Brian zuhause.

Beseelt von ersten LSD-Erfahrungen schreibt er ein Lied über Mamas Worte von den guten und schlechten „Vibrations“. Im Hitchcock-Thriller „Spellbound“ - „Ich kämpfe um dich“ taucht ein seltsames Instrument auf: das Theremin. Es wurde 1919 von einem russischen Physikprofessor entwickelt. Man muss das Gerät nicht einmal berühren, um überirdisch hohe Töne zu erzeugen. Eine Antenne übersetzt Körperschwingungen in Töne.

Workoholic Brian Wilson
Jazzmusiker Paul Tanner baut zur Herstellung des Filmsoundtracks selbst ein Elektro-Theremin. Diese ungewöhnlichen Töne passen perfekt zu Brian Wilsons „Pocket-Sinfonie“. In 6 verschiedenen Tonstudios nimmt er Teile seines Songs auf, nutzt die unterschiedlichen Sounds der Räume. Paul Tanner spielt selbst sein neuartiges Instrument, auch ein Cello wird eingesetzt, ungewöhnlich für damalige Verhältnisse. Als die restlichen Beach Boys von der Tour zurückkehren, präsentiert Brian stolz unzählige Aufnahmen von „Good Vibrations“, den Rest spielen sie gemeinsam ein.

Nach 70 Aufnahmestunden in sechs Monaten ist der Song endlich perfekt. Als Brian die einzelnen Takes schließlich zusammen schneidet, hat die Single bereits 50.000 Dollar Kosten auf der Uhr, allein das Theremin kostete 15.000 Dollar Miete. Paul Tanner verkauft das Instrument anschließend an ein Krankenhaus für Hörtrests. Auch für Brian Wilson hat sich der Aufwand gelohnt, der Song wird der erste Millionenseller für die Beach Boys und macht die Schmach des unterschätzten Albums „Pet Sounds“ mehr als wett.

Übrigens: Die neuartige Aufnahmetechnik, aus verschiedenen Aufnahmen ein gutes Ganzes zu schneiden, übernehmen die Beatles voller Bewunderung für ihren Song „Strawberry Fields Forever“. „Good Vibrations“ ist für Musiker auch ein Durchbruch in der Erkenntnis, dass man alles aus den Tonstudios herausholen kann, man muss es nur wie ein Instrument benutzen.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 4.8.2011

zum Nachhören 

Audio 04.08.2011

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