Der Mann für die Soundtrack
In Sachen Filmmusik kann John Barry niemand etwas vormachen. John ist in Kinos groß geworden, sein Vater besaß Lichtspielhäuser in ganz England. Schon als kleiner Knirps hockte er nachmittags mit Schreibblock und Stift in der ersten Reihe und schrieb auf, welche Musik ihm gefiel und welche nicht. Nun stehen bereits 5 Oscars bei ihm im Regal, u. a. für „Jenseits von Afrika“.
Neuer Bond-Darsteller
Der erfolgreiche Filmkomponist weiß genau, was sein Leinwandheld James Bond neben schönen Frauen musikalisch benötigt, um besonders smart zu wirken. Aber John Barry muss auf der Höhe der Zeit bleiben. Deshalb kennt er auch 1986 die aktuellen Charts auswendig. Zum ersten Mal gibt Timothy Dalton den Geheimdienstler ihrer Majestät. Nachdem Sean Connery und Roger Moore im wohlverdienten Agentenruhestand sind, kein leichtes Erbe für den Theaterschauspieler.
Synthisound ist in
John Barry interessiert sich für die Pet Shop Boys, angesagte Popgruppen haben sich seit Duran Duran finanziell bestens bewährt. Aber schon das erste Gespräch mit dem Duo endet im Streit, denn entweder wollen die Beiden den kompletten Soundtrack oder gar nichts. Genervt wendet sich Barry an die Nummer 2 der Charts.
Fans aus dem hohen Norden
Als begeisterte James Bond-Fans sagen Morten Harket & Co sofort zu. Aber die Zusammenarbeit mit dem Soundtrack-Profi wird schwierig. Ständig nörgelt John an der Komposition herum, verändert sie gegen den Willen der Musiker. Aber auch die Jungs sind unzufrieden, denn als sie den Rohschnitt mit Timothy Dalton sehen, mäkeln sie an dem neuen „007“ herum. Der Humor von Roger Moore war britisch-schwarz, der von Timothy Dalton im „Hauch des Todes“ war bestenfalls dezent bis gar nicht vorhanden.
Keine Lust mehr auf Bond
Trotzdem kann sich das Ergebnis hören lassen. A-ha mögen sogar die Streicher, die ihren Song erst zu einem richtigen James Bond Thema machen. Sauer werden sie erst, als John Barry in einer belgischen Tageszeitung wütet, die norwegischen Jungs hätte sich wie Hitlerjungen aufgeführt und die Zusammenarbeit mit ihnen sei, als ob man Tischtennis mit 4 Bällen spiele. Danach hat John Barry die Nase voll von komplizierten Popstars. Nach 11 James Bond Filmen quittiert er dem Geheimagenten ihrer Majestät den musikalischen Dienst.
Autorin: Bettina Exner