Schüsse der englischen Armee auf unbewaffnete Demonstranten
Es ist der 30. Januar 1972, ganz Derry ist in Nordirland auf den Beinen an diesem sonnigen Sonntag. Die Menschen protestieren friedlich gegen die britische Besatzungsmacht. Es herrscht eine fast unbeschwerte Stimmung in der Stadt, viele Familien sind mit ihren Kindern gekommen, obwohl die Demo nicht genehmigt war. Misstrauisch beobachten 30 Fallschirmjäger der britischen Armee den friedlichen Zug durch die Stadt. Plötzlich fallen Schüsse. 13 unbewaffnete Einwohner verlieren ihr Leben.
13 Namen, 13 Tote
Jackie Duddy, 17 Jahre, wurde durch einen Schuss in die Brust getötet. Zeugen erzählen, der Junge sei unbewaffnet gewesen, als er vor den Soldaten flüchtete. 3 Fallschirmjäger zielten auf ihn, als er sich umdrehte.
Patrick Doherty, 31 Jahre alt, wird von hinten getroffen, als er sich in Sicherheit bringen wollte.
Bernad McGuigan, 41 Jahre, wird von hinten in den Kopf geschossen, als er seinem Freund Patrick half.
Hugh Gilmour, 17 Jahre, lief vor den Soldaten weg, als sie ihn eiskalt töteten.
Kevin McElhinney, 17 Jahre, unbewaffnet, von hinten erschossen.
Michael Kelly, 17 Jahre, stirbt an einem Bauchschuss.
John Young, 17 Jahre, wird durch einen Kopfschuss ermordet.
William Nash, 19 Jahre, wollte John helfen, die tödliche Kugel traf ihn in die Brust.
Michael McDaid, 20 Jahre, starb an einer Schussverletzung mitten ins Gesicht.
James Wray, 22 Jahre, zunächst verwundete ihn eine Kugel, aus nächster Nähe wurde er am Boden liegend erschossen.
Gerald Donaghy, 17 Jahre, tot durch einen Bauchschuss. Die britische Armee behauptete später, er habe eine Nagelbombe in der Tasche gehabt, Augenzeugen bestätigen das bei der anschließenden Untersuchung nicht.
Gerald McKinney, 34 Jahre, schrie verzweifelt „nicht schießen“, als ihn ein Schuss in die Brust niederstreckte.
William McKinney, 27 Jahre, wurde in den Rücken getroffen, als er Gerald helfen wollte.
Protestsongs gegen den Willen der Plattenfirma
13 tote Katholiken beklagen die Nordiren, während die britische Armee aussagt, die Nordiren hätten das Feuer eröffnet. Daran glaubt jedoch niemand. Auch nicht Paul McCartney, der irische Wurzeln hat. Nur drei Wochen später bringt der Ex-Beatle - gegen den Widerstand seiner englischen Plattenfirma EMI - seinen musikalischen Protest zum Ausdruck. Die Single landet bei der BBC sofort auf dem Index. 11 Jahre später schreibt sich „The Edge“ von U2 den unvergessenen, blutigen Sonntag von der Seele. Die irische Band will damit ihre Solidarität mit ihren friedlichen Landsleuten ausdrücken.
Späte Entschuldigung durch die englische Regierung
Die IRA aber versteht den Protestsong gänzlich falsch, „Bloody Sunday“ wird die Hymne des bewaffneten Widerstands gegen Großbritannien. Erst am 15. Juni 2010 kommt die Wahrheit ans Licht. Die britischen Fallschirmjäger haben das Feuer am 30. Januar 1972 eröffnet, sie schossen auf unbewaffnete, friedliche Demonstranten. Nach fast 40 Jahren bittet Premierminister David Cameron Nordirland offiziell um Verzeihung.
Autorin: Bettina Exner