Eigene Wege
Terry Jacks ist das schwarze Schaf seiner Familie in Vancouver. Seine Brüder haben alle ordentliche Berufe gelernt, sind Rechtsanwälte und Bankiers, auch ein Olympiaschwimmer findet sich in der Familie. Nur Terry schert aus der Reihe, er will unbedingt Musiker werden.
Mit 18 spielt Terry Gitarre bei der kanadischen Band The Chessmen, als er bei Fernsehaufnahmen die 18-jährige Susan kennen lernt. Die beiden verlieben sich und Susan ist genauso musikverrückt wie Terry. Gemeinsam gehen sie als „Poppy Family“ auf Tour, landen 1969 sogar einen weltweiten Hit.
Letzte Rettung Kalifornien
Aber statt weitere Hits zu schreiben, streiten sich die beiden lieber und steuern zielsicher auf eine Scheidung zu. Terry ist fertig mit den Nerven und als auch noch einer seiner besten Freunde stirbt, ist er ganz am Boden. In dieser dunklen Phase entdeckt der junge Musiker den belgischen Chansonier Jacques Brel für sich.
In der englischen Übersetzung der dunklen Texte von Rod McKuen findet sich Terry wieder. In einem Song geht es um einen todkranken Mann, der sich von seinen Liebsten verabschiedet, kurz bevor er stirbt. Ein Anruf von den Beach Boys verhindert für Terry Schlimmeres, Hals über Kopf reist er nach Amerika, um mit den „Strandjungs“ ein Album aufzunehmen. Im Gepäck hat er die englische Übersetzung seines Lieblingsliedes von Jacques Brel.
Musikalische Unterstützung von Jacques Brel
Einzig das Ende des Songs gestaltet Terry ein wenig positiver, aber selbst diese Version ist den Beach Boys zu melancholisch, sie lassen sich zwar von ihrem jungen Freund zu einer Aufnahme überreden, aber das Band verschwindet in einer Schublade. Wieder zu Hause, schreibt Terry 1973 einen Brief an Jacques Brel mit der Bitte, das Ende des Liedes ein wenig „sonniger“ gestalten zu dürfen.
Im Original ist die Ehefrau des Todeskandidaten ein treuloses Luder, in Terrys Version ein rettender Engel namens Michelle. Als der Chansonier seine Einwilligung gibt, nimmt Terry Jacks das Lied auf. (Link Wray spielt übrigens das Gitarrenriff am Anfang.) Der Song läuft bei ihm zuhause rauf und runter, bis eines Tages der Zeitungsjunge bei ihm klingelt.
Seit Tagen hört er dieses eine Lied und kriegt es nun nicht mehr aus dem Kopf. Er will wissen, wo er das kaufen kann, um es seinen Freunden vorzuspielen. Die sind ebenfalls völlig aus dem Häuschen und nun hat Terry den Mut, sein Werk in Eigenregie zu veröffentlichen. In seiner Heimat Kanada bricht „Seasons In The Sun“ sämtliche Rekorde, auch in Deutschland setzt sich der Ohrwurm 1974 an die Spitze der Charts. Auch Jacques Brel ist angetan von so viel Erfolg, Terry trifft sich mit seinem Idol, der überredet ihn zu einem weiteren Song.
Rückzug vom Showgeschäft
Wenig später erkrankt Jacques Brel an Lungenkrebs und zieht sich in die Karibik zurück. Terry wird der Rummel um seine Person schnell zuviel, er steckt sein Geld fortan lieber in Umweltprojekte und sagt dem Show-Biz „Adieu“. Nur für Auftritte in Oldies-Shows kommt er auch gern mal nach Deutschland.
Autorin: Bettina Exner