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Mi, 23.05.2012 | 17:52 Uhr | Jetzt läuft: Milow - You Don't Know

Popgeschichten

Suzanne Vega auf einer Pressskonferenz. Foto: dpa-bildfunk

Foto: dpa-Bildfunk

Suzanne Vega - Marlene On The Wall

Wie Marlene Dietrich Suzanne Vega über ihre Einsamkeit hinweg hilft.

Einsame Marlene Dietrich
Die letzten Jahre ihres glamourösen Lebens verbringt Filmdiva Marlene Dietrich einsam im Bett ihres kleinen Apartments in Paris, hält nur noch telefonisch Kontakt zur großen, weiten Welt. Von einem Oberschenkelhalsbruch 1979 hat sich Marlene nie wieder erholt. Die Frau mit der androgynen Ausstrahlung ist tabletten- und alkoholabhängig. Nur wenig Menschen dringen noch zu ihr durch, einer davon ist Udo Lindenberg, dem sie einen Ring schenkt, den er nie ablegt.

Verloren in New York
Von all dem hat Suzanne Vega 1985 keine Ahnung. Sie hat niemals einen Film mit Marlene Dietrich gesehen. Suzanne fühlt sich einsam in ihrem kleinen, kargen Apartment in New York. Mit der Musik klappt’s nicht, das Studium langweilt sie. Eine Perspektive ist nicht in Sicht. Die Stille um sie herum macht sie fast wahnsinnig, frustriert schaltet sie den Fernseher an. Der alten Röhrenkasten braucht ewig, um in Fahrt zu kommen. Der Bildschirm ist noch grau, als eine männliche Stimme anklagt: „Du hast die Männer in den Wahnsinn getrieben mit deinem Körper“. „Küss mich“, raunt eine dunkle Frauenstimme. Wow, was für ein Dialog!

Faszination Marlene
Suzanne vergisst ihren Kummer und denkt darüber nach, wie sie wohl reagieren würde, wenn ein Mann so etwas zu ihr sagen würde. Sie muss lachen. Natürlich würde sie sich wortreich entschuldigen, würde umständlich erklären, was es mit den Kerlen wirklich auf sich hat. Männer wahnsinnig zu machen gehört nicht zu ihren Hobbys. Suzanne Vega ist neugierig, welche Frau da im Fernsehen so cool reagiert. Endlich wird der Bildschirm hell, Suzanne blickt in das aparte Gesicht von Marlene Dietrich. Die Einsamkeit ist verflogen, fasziniert schaut sie sich den Film zu Ende an.

Ein Poster gegen die Einsamkeit
Sie durchkämmt ihre Programmzeitschrift nach weiteren Filmen mit der deutschen Filmdiva. Begeistert erzählt sie von Marlene ihren Freunden in Greenwich Village, wo sie manchmal in Cafés auf. Ein Freund schenkt dem frischgebackenen Fan ein Marlene Poster, das sie sich stolz übers Bett hängt. Es ist ein wirksames Mittel gegen die Einsamkeit, wenn sie abends vor dem Schlafengehen in die Augen von Marlene schaut. Den ersten Song, den Suzanne wenig später veröffentlicht, widmet sie ihrer Marlene Dietrich als Poster an der Wand.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 31.10.2011

Anhören 

Audio 31.10.2011

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