Elektroniktüftler in 2-Zimmerwohnung
In der Studentenbude von David und Marc ist gerade noch Platz für zwei Betten, der Rest des 2-Zimmer-Appartements ist voll gestopft mit Synthesizern, Orgeln, Effektgeräten und Tonbandmaschinen. Seit sich die beiden Kunststudenten an der Uni in Leeds kennen gelernt haben, tüfteln sie in jeder freien Minute an neuartigen, elektronischen Klängen.
Aber manchmal kommen ihnen die Sounds schon zu den Ohren heraus, dann brauchen sie unbedingt Abwechslung. Die beiden Freunde streifen durch die Clubs ihrer Heimatstadt im Norden Englands. Den beiden fällt auf, immer wenn ein alter Song aus dem Jahr 1964 aufgelegt wird, stürmen die Menschen die Tanzflächen.
Stimme weg nach Autounfall
Marc kennt den Titel nicht, aber als ein DJ ihm das Singlecover zeigt, fängt er Feuer. Gloria Jones singt dort über verdorbene Liebe, aber Marc weiß es besser. Gloria war die Freundin seines Idols Marc Bolan. Es war ihr Mini Cooper, in dem Marc Bolan zu Tode kam, Gloria saß am Steuer bei diesem tragischen Unfall und verlor durch die Verletzungen ihre Stimme.
Schwerer Start
Das Lied lässt Marc Almond nicht mehr los. Auch nicht, als die beiden als Soft Cell einen Plattenvertrag ergattern. Ihr Studium haben die Freunde erfolgreich abgeschlossen, mit der Musik läuft es nicht so gut. Die erste Single floppt, ihr Mini-Album will auch keiner haben. Die Plattenfirma gibt den beiden noch eine letzte Chance: entweder die nächste Single wird ein Hit oder Soft Cell fliegen raus.
Klauen für den Erfolg
Marc und David setzen alles auf eine Karte, nehmen den alten Diskothekenkracher von Gloria Jones und verpacken ihn in ein neues, elektronisches Gewand. Für die Maxi-Single plündern sie auch bei den Supremes und mixen „Where Did Our Love Go“ mit „Tainted Love. Die DJs in Nordengland spielen ihre Version rauf und runter. Bald tanzen alle in den Achtzigern nach „Tainted Love“. Die Karriere von Soft Cell ist gerettet. Dass der Titel eigentlich ein Cover von Marc Bolans Freundin Gloria Jones ist, gerät in Vergessenheit.
Autorin: Bettina Exner