Mit Musik gegen Rassismus
Schon früh fühlt sich Sylvester Stewart von der weißen Umwelt diskriminiert, obwohl er mit seinen Geschwistern in einer behüteten Familie in der amerikanischen Mittelschicht aufwächst. Sly, wie ihn alle nennen, lernt wie seine vier Geschwister früh, Instrumente zu spielen. Da liegt es nahe, dass sich der Geschwisterclan bald zu einer Funkband zusammenrottet.
Aber die Kids wollen nicht nur ihren Spaß, sie haben eine Mission: die Überwindung der Rassentrennung, zumindest in der Musik. Deshalb heuert der begabte Sly bei einem schwarzen Radiosender als DJ an, mixt dort die schwarzen Künstler James Brown, Sam Cooke oder Ray Charles hemmungslos mit den Beatles und den Stones. Auch in seinen eigenen Texten geht es eindeutig zur Sache.
Am eigenen Erfolg zerbrochen
Sly holt Musiker verschiedener Nationalitäten in die Band, um damit das friedliche Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen auch optisch zu demonstrieren. Mit Sly und seiner Band zieht der Funk in die Hitparaden der Weißen ein. Aber es nervt den Musiker, dass die Fans kaum auf seine politischen Texte hören, sie wollen einfach nur tanzen. Frustriert greift Sly auf der Höhe des Ruhmes zu Drogen, wird immer unzuverlässiger.
Wie viele andere Musiker scheitert Sly Stone am Erfolg, verschenkt teure Autos an Freunde, hängt sich tonnenweise Goldketten um den Hals. Auch mit den Geschwistern bekommt er Probleme; so singt nur noch seine Schwester Rose mit, als er mit seinen besten Freunden Billy Preston und Bobby Womack den letzten Nummer-1-Hit aufnimmt.
Total pleite
An diesen Erfolg kann Sly nie wieder anknüpfen. Weil er sämtliche Tantiemen sofort in Autos und Drogen umsetzt, verkauft er in Geldnot 1984 seine Musikrechte an Michael Jackson, für den er stets ein Vorbild war. Eines Tages stellt Manager Jerry Goldstein die Zahlungen weiterer Tantiemen ein, nun wird es eng für Sly. Ein Haus kann er sich schon längst nicht mehr leisten. Heute kurvt er mit seinem weißen Wohnmobil durch Los Angeles.
Warten auf das ganz große Geld
Mittags hält er regelmäßig vor dem ärmlichen Haus eines alten Rentnerpaares in einer ziemlich ungemütlichen Ecke von L.A. Hier bekommt er eine warme Mahlzeit, darf duschen und den Strom anzapfen. So wartet der 68-Jährige geduldig auf das Gerichtsurteil seiner Klage gegen den Ex-Manager. Wenn die unterschlagenen 50 Millionen eintrudeln, dann geht es dem armen Rentnerpaar bestimmt auch bald besser! Wir drücken die Daumen!
Autorin: Bettina Exner