6 Monate Arbeit für den perfekten Song
Als die Plattenfirma Columbia 1964 die Verkäufe des jungen Duos Simon & Garfunkel zählen, kommt man enttäuscht auf mickrige 2000 Exemplare. Dabei hat sich Paul Simon ein Jahr zuvor so viel Mühe mit dem Song „Sound Of Silence“ gegeben. 6 Monate hat er an dem Text über die Sprachlosigkeit getüftelt, jeden Tag nur eine einzige Textzeile hinzu gefügt. Weil er ja auch noch seine Miete bezahlen muss, jobbt Paul für einen Musikverlag.
Täglich geht er Klinken putzen bei Plattenfirmen und Künstlern, ob diese nicht einen Song kaufen wollen. Da bleibt für sein eigenes Lied nur der Feierabend, die Melodie dazu fällt ihm im Badezimmer ein. Der Hall dort lässt seinen Gedankenblitz schön klingen, als er die Melodie auf der Gitarre spielt. In seinem Job ist Paul nicht so erfolgreich, nicht einen einzigen Song hat er bisher verkauft. Sein Chef ist sauer. Um ihn zu beruhigen, bietet ihm Paul sein eigenes Lied an.
Abseits des Mainstreams
Aber der lehnt dankend ab, er habe schließlich schon genug ungesungenes Zeug in der Schublade. Und er feuert Paul Simon. Der kann nur froh sein, dass die Rechte an dem Lied bei ihm bleiben. Aber viel hat er im Moment ja nicht davon, denn die Platte floppt. Der leise, akustische Folk-Sound, den die beiden Freunde Art und Paul produzieren, scheint nicht in die Zeit zu passen. Auch in Greenwich Village in New York verändert sich das Straßenbild, immer mehr Hippies predigen Love & Peace, Bob Dylan und Joan Baez sind ihre Helden.
Flucht nach London
Frustriert packt Paul seine Gitarre ein und zieht nach London, während Art sein Architekturstudium wieder aufnimmt. Bald freuen sich die Kneipen-Besucher auf den singenden Amerikaner, der durch die Pubs in London tingelt. 20 Pfund verdient er am Abend, am Ende kann er sich sogar ein möbliertes Zimmer leisten. Als er die Hauptstadt abgegrast hat, zieht er übers Land. In seiner Heimat hat man bei Columbia die Karriere des Duos längst begraben, als plötzlich einige Radiosender „Sound Of Silence“ spielen. Eines Abends hört Chefproduzent Tom Wilson den Song auf einem Bostoner Radiosender, er hat eine Idee.
Akkustik gegen E-Gitarre
Der Produzent ist zwar gerade mit Bob Dylans neuer Single beschäftigt, aber da die Byrds mit ihren elektrischen Cover-Versionen von Dylan Songs erfolgreicher sind als das Original, wird Paul Simon’s Akustik-Gitarre einfach gegen eine E-Gitarre ausgetauscht. Ohne das Duo zu informieren, schnappt er sich den Ladenhüter, engagiert eine Band, damit sie die akustischen Parts elektrisch neu einspielen und mischt das Ganze völlig neu ab. Fertig ist ein potentieller Hit im modernen Folk-Rock Gewand.
Anruf nach Amerika
Im September 1965 bereit sich derweil Paul Simon in Kopenhagen auf seinen Auftritt vor, als plötzlich ein Mitarbeiter des Clubs in die Garderobe stürmt. Atemlos verkündet er, dass „Sound Of Silence“ in die amerikanischen Charts eingestiegen ist.
Ungläubig ruft Paul seinen Freund seit Kindertagen in Amerika an, aber auch der weiß nichts von einer erneuten Veröffentlichung ihres Songs und schon gar nichts von elektrischen Gitarren. Wenig später weiß er es. Und die beiden Freunde wären ja verrückt, wenn sie sich nicht sofort wieder zusammentun würden.
Autorin: Bettina Exner