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Mi, 23.05.2012 | 17:31 Uhr

Popgeschichten

R.E.M. foto: dpa-bildfunk

R.E.M. - Überlin

Wie die ausgelaugten Musiker von R.E.M. in Berlin noch einmal kreativ werden.

Ausgebrannt
Irgendwie ist die Luft raus bei R.E.M. Zwar tourt das Trio regelmäßig durch die Stadien der Welt, veröffentlicht neuen Platten, aber innovativ ist anders. Eine Tournee ist Kraft zehrend und Energie raubend, besonders, wenn man so langsam in die Jahre kommt. Und was soll die Freunde noch motivieren? Sie haben so viel Geld verdient, dass es für Generationen reicht. Michael Stipe denkt an die Anfänge in den kleinen Clubs von Athens, als ihnen Erfolg suspekt und Geld unwichtig war.

Auf nach Berlin!
Er denkt an David Bowie, als dieser in den Siebzigern aufgrund seiner Drogensucht in eine Schaffenskrise geriet. Oder an Depeche Mode, die in den Achtzigern ihre besten Songs nicht in ihrer Heimat aufgenommen haben. Er denkt an U2, die 1991 kurz vor der Auflösung standen. Was die Musiker alle gemeinsam hatten: sie flüchteten nach Berlin, um ihre Tiefs zu überwinden, nahmen in den legendären Hansastudios auf. Also auf nach Berlin! Michael nimmt sich eine kleine Wohnung in Kreuzberg.

Hommage an die Stadt
Seinen Chauffeur schickt Michael nach Hause, er fährt U-Bahn. Wenn es schön ist, stülpt er seinen hässlichen Fahrradhelm über, radelt unerkannt durch die Stadt. Unbehelligt besucht er Galerien oder geht mittags ins Berghain tanzen. Oder kauft sich Mützen auf dem Flohmarkt. Die Band liebt den großen, holzgetäfelten Aufnahmesaal in den Hansastudios, der so viel Popgeschichte atmet. Aus dem Wort „über“ und „Berlin“ wird eine Hommage an die quirlige Hauptstadt, aus der Perspektive eines Außenseiters.

Zurück zur alten Kreativität
Das Video zu „Überlin“ zeigt nicht etwa die Band bei ihren Streifzügen durch die Stadt, sondern das Berliner U-Bahnnetz. Wenn die Band nicht im Studio steht, dann hilft Peter Buck schon mal musikalisch bei Pearl Jam in der Wuhlheide aus. Michael besucht seine Freundin Patti Smith auf der Bühne der Zitadelle in Spandau. Fast das komplette Album entsteht in Berlin, „Collapse Into Now“ ist eine musikalische Besinnung an ihre Anfänge, Berlin hat ihre Kreativität wieder erweckt! Zum letzten Mal.

Vergesslicher Michael Stipe
Am Ende des Albums weist Patti Smith ihren Freund darauf hin, dass er einen Schuh verloren hat. Michael Stipe wird ihn in der Berliner U-Bahn vergessen haben. Vielleicht holt er ihn ja eines Tages wieder ab.


Autorin: Bettina Exner

Stand vom 14.10.2011

zum Nachhören 

Audio 14.10.2011

R.E.M. - Überlin

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