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Mi, 08.02.2012 | 19:19 Uhr | Jetzt läuft: Mia - Was Es Ist

Popgeschichten

Foto von Outlandish

Outlandish: Religiöse Frauenbilder in modernem Sound verpackt. Foto: amazon

Outlandish - Aisha

Wie streng gläubige Muslime für ihren Sommerhit eine nackte Trophäe erhalten.

Drei Muslime in Dänemark
Als der Franzose Jean-Jacques Goldman eine Hymne auf eine schöne, arabische Frau komponiert, ahnt er noch nicht, dass viele Jahre später gläubige Muslime mit der freigeistigen Aisha nichts anfangen können. Eine Frau, die Gleichberechtigung fordert, ist in dieser Religion nicht vorgesehen. Ganz im Gegenteil. Der liberale Khaled hat damit 1996 noch kein Problem.

Die Hip Hop-Youngsters Outlandish aus Dänemark sind da ganz anderer Meinung. Als sich Isam Bachiri, Waqas Ali Qadri und Lenny Martinez 1991 kennen lernen, wollen sie unbedingt Musik zusammen machen, aber was ihnen noch wichtiger ist, ist ihre Religion.

Traditionelle Werte in modernem Sound
Isam und Wagas sind Muslime mit marokkanischen und pakistanischen Wurzeln, Lenny gläubiger Katholik, der aus Honduras über Kuba nach Dänemark kam. Alle drei leben ihre Religion, Isam und Wagas beten fünfmal am Tag. Eines Tages hört Isam aus dem Zimmer der Mutter ein Volkslied aus Marokko, in seinem Zimmer läuft Rap.

Für einen kurzen Moment verschmelzen die beiden Musikwelten zu einer harmonischen Einheit. Genau das will er machen: die Verbindung aus modernen Sounds und religiösen Werten, die alle Emigrantenkinder in Europa verstehen.

Konservatives Frauenbild
2003 nehmen sich die drei Musiker „Aisha“ vor und nehmen ihr sämtliche Freiheiten, die ihr einst Jean-Jacques Goldman in seinem Lied zugestand. Isam, Wagas und Lenny leben alle noch bei ihren Familien und sie haben auch nicht vor, das zu ändern. Auch ihre eigenen Ehefrauen und ihre Kinder leben in den Großfamilien, die jungen Frauen von Isam und Wagas tragen Schleier.

Mit einer „Aisha“, die nicht im „Goldenen Käfig“ leben will, können sie nichts anfangen. Sie machen aus „Aisha“ eine gläubige, junge Frau mit einem kleinen Kind, die sich nach einer starken Schulter sehnt.

Schock bei der Preisverleihung
Ihre Hymne auf die europäische Immigrantenkultur wird schnell verstanden und avanciert 2003 zum Sommerhit in Deutschland. Schon bevor Outlandish in Deutschland die Hitparade diktieren, bekommen sie in Dänemark den Preis als bester Hip Hop-Act verliehen. Entsetzt stehen die drei auf der Bühne und halten widerwillig eine Trophäe in den Händen, die all die Klischees der Rap-Kultur verkörpert.

Die Statue ist ein halbnacktes Playboy-Bunny mit großen Brüsten. Wagas traut sich kaum nach Hause mit seinem Preis. Aber es ist eine wichtige Auszeichnung, die in der Verwandtschaft bewundert werden soll, also näht seine Mutter ein züchtiges Kleid, dass sie dem „Playboy-Bunny“ überzieht. Nun können die Verwandten kommen.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 30.9.2011

Audio 

Audio 29.07.2010

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