Bühne statt Artpraxis
1968 hat Neil Diamond, Sohn polnisch-russischer Eltern, mit seinen 27 Jahren schon viel erreicht im Musikbusiness. Obwohl er eigentlich Medizin studieren wollte, weil seine geliebte Omi an Krebs erkrankt war und er ein Mittel dagegen erfinden wollte. Aber sein Talent als Songschreiber trieb Neil schnell ins berühmte Brill-Building, ein Songschreiber-Konglomerat, wo er den Monkees den Megahit „I’m A Believer“ bescherte.
In nur einer Minute zum Hit
Als Neil gelangweilt in Zeitschriften blättert, weckt das Titelbild des Life-Magazins sein Interesse. Ein hübsches, zehnjähriges Mädchen im Reitdress guckt ihm da entgegen, stolz sitzt es auf seinem Pony. Die Sonne scheint, das Mädchen lacht. Das Foto drückt all das aus, was Neil in seiner Jugend vermisst hat. Geborgenheit, Lebensfreude, Natur.
Aber der Schein trügt, auch das kleine Mädchen hat schon viel Leid erfahren, mit sechs Jahren hat es den Vater verloren. Ein Jahr später sitzt Neil Diamond in Memphis in einem Hotelzimmer und wartet auf seinen Auftritt. Er hat noch ein wenig Zeit und da fällt ihm plötzlich dieses Foto wieder ein. In nur einer Stunde schreibt er ein Lied über das kleine Mädchen, über die Unschuld der Jugend.
Späte Enthüllung
Als der Song 1969 erscheint, fragt man sich, wer wohl mit der süßen Caroline gemeint sein könnte, aber dazu schweigt Neil Diamond beharrlich. Auch ohne das Geheimnis zu lüften, wird „Sweet Caroline“ Neils erster, eigener Hit. Auch kleine Mädchen werden älter, die süße Reiterin vom Cover des Life Magazins feiert am 27. November 2007 ihren 50. Geburtstag. Als besondere Überraschung hat ihr Ehemann eine Satelliten-Übertragung arrangiert. Neil Diamond singt dem Geburtstagskind ein Ständchen.
Nach der Übertragung lüftet Neil Diamond dieses 40 Jahre alte Geheimnis: Ja, er hat das Lied damals für Caroline Kennedy komponiert, die 1963 ihren Vater John F. Kennedy durch ein Attentat verloren hat. Was für ein schönes Geburtstagsgeschenk, das Caroline zu Tränen rührt.
Autorin: Bettina Exner