Schwerer Start in Kalifornien
Es fängt alles so gut an für Billy Steinberg und seine Träume. Als Musiker will der Kalifornier sein Geld verdienen, gründet die Band Billy Thermal, Thermal nach dem kleinen Ort, in dem sein Vater Lionel Weinberge besitzt. In der Band sitzt sogar ein erfahrener Musiker am Schlagzeug, Efren Espinosa hat bei Edwin Starr getrommelt. Aber niemand nimmt Notiz von Billy Thermal, obwohl sie sogar einen Plattenvertrag haben.
Like a Virgin
Auch privat läuft es nicht gut. Billy liebt seine Freundin, trotzdem ist die Beziehung am Ende. Es ist die Zeit der schmerzlichen Trennungen, Billys Band zerbricht, seine große Liebe folgt. Abgebrannt, mit Liebeskummer im Gepäck seines roten Pick-Ups, kehrt Billy zu seinen Eltern in die Weinberge zurück. Er hilft seinem Vater bei der Weinlese.
Die Arbeit an der frischen Luft tut ihm gut. Langsam erholt sich Billy vom Scheitern mit Band und Freundin, schöpft neue Hoffnung. Als er eines Tages mit seinem Pick-Up nach Thermal fährt, begegnet er einem Mädchen. Die beiden verlieben sich, Billy fühlt sich großartig. Er fühlt sich wie „eine Jungfrau“, rein und unbeschwert, als ob er zum ersten Mal der wahren Liebe begegnet ist, alle negativen Erfahrungen der Vergangenheit scheinen ausgelöscht.
Da muss mehr Tempo rein!
Billy kritzelt seine Gefühle ins Notizbuch. Am Telefon liest er seinem Freund Tom Kelly seine jungfräulichen Verse vor. Der ist erleichtert, dass es Billy wieder besser geht, findet Gefallen an dem Text. Tom ist ebenfalls Musiker, und ein gefragter Studiosänger. Die beiden treffen sich und schrauben an den Zeilen herum. Am Klavier spielt Tom eine langsame Melodie, die gut zum Text passt. Angewidert schauen sich die beiden an, kitschig und schwülstig ist die Ballade geworden.
Tom legt daraufhin einen Zacken zu und sie haben plötzlich eine schnelle Popnummer. Während Billy weiterhin in den Weinbergen schuftet, landet Linda Ronstadt plötzlich einen Hit mit einer alten Billy Thermal-Nummer.
Madonna als Jungfrau?
Tom ruft Michael Ostin von Warner Brothers an, dass er da einen interessanten Song hat. Michael Ostin sucht gerade Material für Madonna. Er besucht Billy und Tom im Studio, hört sich das Lied aufmerksam an. Die Nummer gefällt ihm, noch mehr gefällt ihm die Idee, die beiden Begriffe Madonna und Jungfrau zusammenzubringen. Als Madonna den Song wenig später hört, bricht sie in schallendes Gelächter aus. Sie eine Jungfrau? Das glaubt dem wilden Feger doch kein Mensch. Aber sie sieht auch die Ironie und Provokation dabei, will die „Jungfrau“ schließlich sogar als Single veröffentlichen.
Undankbare Madonna
Starproduzent Nile Rodgers ist strikt dagegen, er mag den Song nicht. Trotzdem geht ihm der Refrain tagelang nicht mehr aus dem Kopf und er ändert deshalb seine Meinung. Madonna singt den Song originalgetreu, wie es Billy und Tom aufgenommen haben, sogar die am Ende geflüsterten Worte spricht sie nach. Als Billy Steinberg und Tom Kelly die fertige Nummer wenig später hören, sind sie stolz darauf, dass nichts an ihrem Lied verändert wurde.
Trotzdem behauptet Nile Rogers öffentlich, er hätte aus einem nichts sagenden Demotape den ersten Nummer 1 Hit für Madonna produziert. Billy und Tom amüsiert das mehr als das es sie ärgert. Merkwürdig findet Billy allerdings die erste - und einzige - Begegnung mit Madonna. 1989 sind sie Gäste auf der Geburtstagsparty von Madonnas Manager.
Freudestrahlend geht Billy auf sie zu. „Ich wollte Sie schon so lange einmal treffen“, eröffnet Billy das Gespräch. „Gut, das haben sie ja nun“, zickt Diva Madonna und lässt den Mann einfach stehen, dem sie ihren ersten Hit zu verdanken hat.
Autorin: Bettina Exner