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Mi, 23.05.2012 | 16:58 Uhr | Jetzt läuft: Gipsy Kings - Bamboleo

Popgeschichten

Sängerin Mietze und Band. Foto: dpa-Bildfunk

Sängerin Mietze und Band. Foto: dpa-Bildfunk

MIA. - Was es ist

Wie ein Gymnasium in Berlin-Mitte Popgeschichte macht

Bob Marley oder John Lennon?
In über 100 Jahren hat die Oberschule in der Zehdeniker Str. 17 in Berlin-Mitte schon viermal den Namen gewechselt. 1976 wurde das Gymnasium nach dem ehemaligen SPD Vorsitzenden August Bebel benannt. Nach der Wende haben die meisten Schüler keine Lust mehr auf August Bebel. Unten ihnen Sarah Kuttner und Maria Mummert. Besonders Sarah engagiert sich bei der neuen Namensfindung, die Vorschläge: Willy Brandt, Camille Claudel, Ernest Hemingway. Einige möchten den imposanten Bau einfach Gymnasium am Rosenthaler Platz nennen, andere bevorzugen die Reggae-Ikone Bob Marley. Die Musiklehrerin Lieselotte Rezniczek schlägt schließlich John Lennon vor.

Schulumbenennung gegen den Willen der Lehrer
In einer Projektwoche setzen sich die Schüler mit den Vorschlägen auseinander, am Ende entscheiden sie sich für John Lennon, Beatle statt Bebel. Obwohl die Mehrheit der Lehrer dagegen ist, schreiben sie am 6. Mai 1993 einen Brief an Yoko Ono, um sie um Erlaubnis zu bitten. Die Antwort kommt prompt, Johns Witwe schreibt, es sei ihr eine Ehre.

Gegen den Widerstand der Pädagogen wird es am 12. Juli 1994 offiziell, die Schule am Rosentaler Platz heißt nun John-Lennon-Gymnasium. Sarah und Maria, die sich Mieze nennt, sind zufrieden, denn Mieze hat eigentlich nur Musik im Kopf. Gemeinsam mit ihrem Klassenkameraden Andy probiert sie sich an eigenen Songs, als Sarah Kuttner den beiden ihre Freunde Robert und Ingo vorstellt, sie gründen eine Schülerband.

Stolz auf die eigene Herkunft
Nach dem Abi wird es Ernst für das Quintett, als sie den Produzenten Nhoah Hoena-Jansen kennen lernen, der schon die deutsche Band Peacock Palace in die Charts gebracht hat. Dieser hat mit seinem R.O.T.- Label eine Kampagne ersonnen, um das Bild der unpopulären Deutschen zu verändern. Warum soll die Jugend nicht stolz sein, trotz der dunklen Schatten der Vergangenheit. Drei Jahre vor dem Sommermärchen der Fußball WM 2006, als die Welt Deutschland plötzlich als freundlichen, lebensfrohen Ort wahrnimmt, erscheint von MIA. die Single „Was es ist“.

Nicht PC?
Bei Auftritten hüllt sich Mieze in die Deutschlandflagge. Obwohl sich MIA. politisch gegen Rechtsextremismus engagieren, werden sie nun aufgrund des vermeintlichen Nationalstolzes in ihrem Lied in linken Kreisen geächtet. Als die Band gegen Studiengebühren protestieren und kostenlos auf der Demo der Studenten auftreten, werden sie mit Eiern und Tomaten von der Bühne gejagt.

Das der Text Ähnlichkeiten mit dem 1985 veröffentlichten Gedicht „Was es ist“ des jüdischen Lyrikers Erich Fried aufweist, interessiert in der erhitzten Rassismus-Diskussion niemanden. Dem ZDF ist es egal, sie wählen den Song zur Titelmelodie ihrer „37 Grad“- Sendereihe. Andy Penn bleibt dem John-Lennon-Gymnasium verbunden. Als der Gitarrist mit Juli-Sängerin Eva Briegel 2010 eine Tochter bekommt, nennt er sie Yoko.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 16.6.2011

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