Hollywoods Wunderkind
Mit 5 Jahren kann Gladys Mary Smith nach dem Tod des Vaters bereits ihre ganze Familie ernähren. „Baby Gladys“ tourt tanzend und singend mit Vaudeville-Gruppen durch Kanada und die USA. Mit 14 spielt sie als Mary Pickford am Broadway. 1912 hat die Zwanzigjährige bereits in 140 Stummfilmen gespielt. Oft Doppelrollen, so spielt sie Kind und Mutter gleichzeitig.
Mit ihren Locken ist Mary der Liebling der Amerikaner, wenig später ist „Little Mary“ die berühmteste Frau der Welt. Ihre Gage beträgt am Anfang 5 Dollar in der Woche, steigt jedoch von Film zu Film stetig. 1916 sind es bereits 10.000 Dollar wöchentlich plus 300.000 Dollar Bonus. Aber das sind Peanuts gemessen an dem Geld, das die Produktionsgesellschaften mit ihr verdienen. Damals schon geht es um Millionen. Mit Ende Zwanzig spielt Mary immer noch Kinder und junge Mädchen.
Vereint gegen die Filmindustrie
Um ihre Jugendlichkeit zu erhalten, beschäftigt sich Mary viel mit Kosmetik. Täglich isst die Schöne Rosenblätter, weil sie glaubt, damit ewig jung zu bleiben. Mary hat keinerlei Einfluss auf die Filmrollen, manchmal ist es schon absurd, was die Studiobosse von ihr verlangen. Mit Dreißig lassen sie die Regisseure immer noch zwölfjährige Mädchen spielen. Das möchte das „Sweetheart“ ändern. Gemeinsam mit den Stummfilmstars Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks sen. gründet sie die Filmgesellschaft United Artist.
Vereinigung zur Stärkung der Filmindustrie
Nun hat Mary das Sagen, aber die Doppelrollen bleiben. In „Little Lord Fauntleroy“ spielt sie einen kleinen Jungen und gleichzeitig seine Mutter, die Dreharbeiten für die Szene, als sich Mutter und Sohn umarmen, dauert 16 Stunden. Und ist revolutionär im Filmbusiness. Als Anfang 1906 die erste Rundfunksendung über den Äther geht, bleiben die Menschen in den Kinos zunehmend weg. Das neue Medium nimmt dem Kino Zuschauer weg.
Besorgt um die schwindende Popularität gründet Mary Pickford mit Louis B. Mayer und ihrem damaligen Ehemann, Douglas Fairbanks sen., die Academy of Motion Picture Arts and Sciences zur Stärkung der Filmindustrie. Den ersten Oscar verleiht sie sich selbst. Aber Mary hat endgültig genug von ihrem Teenie-Image, medienwirksam schneidet sie die Locken ab, sieht mit ihrem neuen Bob erwachsen aus. Das Publikum trauert um die Locken und ihre kleine Mary, die erwachsene Schauspielerin will kaum jemand mehr sehen.
Langer Atem zahlt sich aus
Mehr als 20 Jahre später entdeckt Mike Batt die Tochter eines Herzchirurgen aus Georgien beim Vorsingen. Der rothaarige Künstler steckt seine ganze Energie in Katie Melua, nervt die Radiosender so lange, bis sie seinen Schützling spielen. Für die Songs sorgt er überwiegend selbst, als er eines Tages ein neues Kalenderblatt abreißt. „Mary Pickford hat Rosen gegessen, um ihre Schönheit zu erhalten“, erfährt er dort. Neugierig geworden liest er viel über die große Schauspielerin der Stummfilmära, wenig später hat er einen neuen Song über Mary Pickford, Charly Chaplin und Douglas Fairbanks für seinen Schützling geschrieben.
Autorin: Bettina Exner