Durch die Clubs in Dublin
Dem Iren Raymond Edward O’Sullivan wurde nichts geschenkt im Leben. Mitte der 60er Jahre tourte er mit mäßigem Erfolg und dem späteren Supertramp-Star Rick Davies durch die Lande. Rick’s Blues hieß die Band. Danach tingelt Ray alleine durch die Clubs in Dublin. Komisch sieht er aus, wie er da mit Knickerbockern und Schlägermütze auf der Bühne Folk-Songs singt, aber das Publikum schließt den Sonderling schnell ins Herz. Eigene Hits gelingen ihm nicht, dafür nehmen die Tremeloes zwei seiner Songs auf.
Treffen mit Tournmanager von Tom Jones
Das Blatt wendet sich, als Raymond den Manager von Tom Jones trifft. Gordon Mills gefällt der Junge mit den Hosenträgern und dem braven Haarschnitt. Er verpasst ihm den Künstlernamen Gilbert und nimmt ihn mit zu sich nach England. Besonders die dreijährige Tochter hat es Gilbert angetan. Stundenlang spielen die beiden im Garten des herrschaftlichen Hauses in Weybridge.
In seinem Zimmer komponiert Gilbert ein Lied für die kleine Clair, die mit ihrem Lachen das ganze Haus erfüllt. Die Geschichte von Onkel Ray, der verspricht, die kleine Clair zu heiraten, wenn sie mal gross ist. Der hartgesottene Manager ist gerührt. Aber Clair ist ein verwöhntes, kleines Mädchen. Auf Befehl will sie einfach nicht lachen.
Kinderlachen
Aber Gilbert O’Sullivan möchte es gern für die Platte aufnehmen. Ihre Mutter, das Model Jo Waring, weiß, was zu tun ist. Sie lädt eine ganze Horde Kinder aus der Nachbarschaft ein und veranstaltet eine Poolparty für die Kleinen. Zwischendurch fischt sie ihr kleines Mädchen aus dem Swimmingpool, hüllt sie in ein Badehandtuch und trägt sie ins Studio, wo Gilbert und Gordon bereits ungeduldig warten. Clair wird auf Papis Schoß gesetzt, während Gilbert die Bandmaschine anschaltet.
Gordon kitzelt sein kleines Mädchen, bis es vor Vergnügen quitscht und lacht. Nun haben sie ihr Lachen auf Band und Clair kann wieder spielen gehen. Das Lied wird ein großer Hit! Und Clair? Sie lebt heute in England, hat selbst Kinder und sie hat das musikalische Talent ihres Vaters Gordon Mills geerbt, aus dem sie jedoch nichts machen kann, da sie für die Bühne zu schüchtern ist.
Übrigens: 1975 verklagt Gilbert O’Sullivan seinen Mentor wegen fehlender Tantiemen, die Familie von Gordon Mills fällt auseinander und der erfolgreiche Manager stirbt 1986 an Krebs.
Autorin: Bettina Exner