Postalischer Hit
In den Sechzigern sind die Holland-Brüder Eddie und Brian mit Lamont Dozier die besten Pferde im Stall von Motown. Firmenchef Berry Gordy weiß das ganz genau, denn fast alle Hits des jungen Labels gehen auf das Konto des Songschreiber-Trios Holland-Dozier-Holland. Der erste Song ist 1961 eine musikalische Bitte an einen Briefträger. Die Beatles nehmen diesen wenig später ebenfalls auf und machen einen noch größeren Hit daraus. Auch den Supremes ebnen die Drei mit ihren Liedern den Weg in die Charts. Alle Hits des Mädchen-Quartetts um Diana Ross gehen auf ihr Konto.
Geiziger Chef des Motown-labels
Die Hollands sind zusammen mit Lamont Doziert hauptverantwortlich dafür, dass Motown zu einem der erfolgreichsten Labels in Amerika wird. Das Bankkonto von Firmengründer Berry Gordy „platzt aus allen Nähten“, aber abgeben will er davon möglichst wenig. Auch sein Songschreiber-Team bekommt nur einen Mindestlohn. Andere Plattenfirmen zahlen ihren Autoren viel mehr, regelmäßig stehen die drei bei Berry Gordy im Büro und fordern mehr Geld. Obwohl das Songschreiber-Trio Rekorde und Auszeichnungen sammelt - allein für die Supremes schrieben sie 10 Nummer 1- Hits in knapp 3 Jahren, insgesamt waren sie für 120 Top-Hits bei Motown verantwortlich - bleibt der Boss stur, und knauserig.
Verklag den Boss!
HDH sehen nur einen Ausweg aus der Misere, sie verlassen das Label des Geizhalses. Prompt verklagt sie Berry Gordy auf 4 Millionen Dollar Schadensersatz. Die drei klagen zurück, wollen 22 Millionen Nachzahlung haben für all ihre Hits. HDH haben die Nase gestrichen voll davon, abhängig zu sein, obwohl die ganze Branche um sie buhlt. Lamont, Brian und Eddie gründen 1969 ihr eigenes Label. Sie schreiben weiter Songs, aber aufgrund des schwebenden Verfahrens können sie das nicht unter ihren eigenen Namen tun, sonst würde Berry Gordy die Hand aufhalten.
Verknallt in Robert Redford
Inspiriert von einem Hollywood-Drama komponieren die drei unter dem Pseudonym Edythe Wayne und Ron Dunbar ein Lied über eine verkorkste Hochzeitsnacht. In „Inside Daisy Clover“ - in Deutschland als „Verdammte, süße Welt“ 1965 in den Kinos - verliebt sich das junge Starlet Nathalie Wood in den Star Robert Redford, der sie aber noch während der Flitterwochen verlässt, denn er liebt eigentlich nur Männer. Sie fragen ihre Freundin Freda Payne, ob sie den Song „Band Of Gold“ singen möchte. Die ältere Schwester der späteren Supremes-Sängerin Scherrie Payne will nicht. Sie findet den Text zu seltsam.
Komischer Text, Riesen Hit
Ein Paar freut sich auf die Hochzeitsnacht, aber Sex findet nicht statt. Sie schlafen sogar in getrennten Zimmern, am nächsten Morgen ist der frisch Angetraute weg, es bleibt nur der goldene Ehering zurück. „Ist die Frau frigide oder der Mann impotent?“, fragt Freda die Songschreiber. „Du musst den Song weder mögen noch verstehen, sing ihn einfach“, entgegnen sie lakonisch. Widerwillig singt Freda das Lied ein. Und zu dem „Band of Gold“, dem goldenen Ring, gesellt sich schnell eine goldene Schallplatte, es wird Freda Paynes größter Hit!
Autorin: Bettina Exner