Endlich mal ein Rocksong!
1972 liegt Elton John in der Badewanne in seinem Hotelzimmer in Australien und denkt über neue Songs nach. Für melancholische Popsongs ist Elton bereits berühmt, aber ein richtiger Rock’n’Roll-Knaller ist dem Briten noch nicht gelungen. Außerdem wurmt es ihn, dass er noch nie einen Nummer 1 Hit gelandet hat, nicht mal in seiner Heimat.
Aus dem Radio ertönt ein Song der australischen Band Daddy Cool, der sich seit 10 Wochen auf dem ersten Platz der Hitparade breit macht. Elton denkt an Don McLean, dem das auch mit nur einer einzigen Single gelungen ist, einfach, weil er die Musikfans an das Lebensgefühl ihrer Jugend erinnert hat. Elektrisiert springt Elton aus dem Wasser und schreibt etwas auf.
Vorbild: Comicfigur
Mehr fällt ihm nicht ein, denn für die Texte ist sein Freund Bernie Taupin zuständig. Elton sinniert über die alten Rock’n’Roll-Texte nach. Häufig spielen da Tiere eine Rolle. „Speedy Gonzales“ ist eine wild gewordene mexikanische Rennmaus mit Sombrero, Elton erinnert sich gut an die alten Comics. Als er „See You Later Alligator“ summt, steht zumindest das Tier für seinen Rock’n’Roll-Song fest: es muss ein Krokodil sein. Diese Fragmente im Gepäck reist er mit Bernie nach Frankreich, wo sie gemeinsam ein neues Album ausnehmen wollen.
Peinliche Nummer 1
Bernie versteht Eltons Beweggründe, aber ein Lied über Krokodile aus den Fünfzigern findet er albern und nicht gerade Erfolg versprechend. Aber wie immer setzt Elton seinen Dickschädel durch. Schnell muss sich Bernie einen Text aus den Fingern saugen. So erfindet er einen Tanz namens „Crocodile Rock“, den der Protagonist in den Fünfziger in einer kleinen Kaschemme mit seiner Liebsten Suzie tanzt, während draußen der Chevy parkt. Bernie Taupin ist der Text bis heute peinlich, aber als Elton John den Song zum ersten Mal in Amerika singt, rast der „Kroko-Rock“ schnurstracks auf die Nummer 1. Mission geglückt!
Übrigens: Auf dem Albumcover trägt Bernie Taupin in Erinnerung an die australische Inspirationsquelle namens Daddy Cool einen Button mit der Frage: „Daddy who?“
Autorin: Bettina Exner