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Mi, 23.05.2012 | 16:09 Uhr | Jetzt läuft: Bellamy Brothers - Let Your Love Flow

Popgeschichten

Plattencover des Electric Light Orchesters. Foto: promo

ELO - Roll Over Beethoven

Wie Beethoven den Rock’n’Roll belebt.

Eifersüchtig auf die große Schwester
Der kleine Charles schwört Rache! Er kann noch nicht mal richtig laufen, aber er liebt es, auf den Klavierhocker zu krabbeln und wild auf die Tasten zu hämmern. Aber meistens sitzt dort schon jemand. Die große Schwester Lucy übt stundenlang Klaviersonaten von Beethoven und Tschaikowsky. Charles ist erst wieder versöhnt, als er eine Gitarre geschenkt bekommt, nun hat er sein eigenes Instrument, an das er niemanden lässt. Jahre später, aus Charles ist Chuck Berry geworden, zieht er seinen ersten Plattenvertrag an Land. Endlich ist der Moment der Rache gekommen, genüsslich läutet er mit „Roll Over Beethoven“ 1956 die Rock ‚n’ Roll-Ära ein.

Frag mal Chuck Berry
Noch bevor sich John, Paul, George und Ringo Beatles taufen, spielen sie diesen Titel in Clubs in Liverpool, Chuck Berry ist ihr Hero. Eines Tage wollen sie den Song aufnehmen, obwohl sie eigentlich genug eigene Songs in petto haben. Die Beatles arbeiten schon an ihrem zweiten Album, als George Harrison im Flugzeug Chuck Berry entdeckt. Schüchtern spricht er ihn an, und lässt sich ausführlich erklären, wie der den Sound des Songs hinbekommen hat. Obwohl John oder Paul den Song bei Konzerten live gesungen haben, lassen sie George Harrison im Studio den Vortritt, er darf 1963 den Song von Chuck Berry einsingen. 

Klassik im Pop-Studio?
Neun Jahre später brütet ein weiterer Fan von Chuck am 8. September im Studio von Beatles Produzent George Martin über dem neuen Album vom Electric Light Orchestra. Auch Jeff Lynne hat den Song seit Jahren im Live-Repertoire. Um den Sinn des Songs zu unterstützen, stets beginnend mit Beethovens 9. Sinfonie. Aber hier im Studio will das nicht so recht funktionieren, Jeff kramt die Noten der 5. Sinfonie hervor und lässt seine Streicher „streichen“.

Einfach zu schüchtern
Passt wunderbar! Nebenan arbeitet Studioboss George Martin gerade mit Paul McCartney an “Live And Let Die”. George hat einst auch die Beatles-Version produziert, nun bittet ihn Jeff um ein professionelles Urteil über seine Single, denn, wo Beethoven drauf steht, soll auch Beethoven drin sein“, findet Lynne. Insgeheim ärgert sich George Martin, nicht selbst auf diese Idee gekommen zu sein, aber der Song kriegt seinen Segen.

Und so geht „Roll Over Bethoven“, die kleine Rache von Chuck Berry an seine große Schwester Lucy, zum dritten Mal in die Charts! Eines Tage sieht Jeff Lynne Chuck Berry auf einer Party, lange überlegt er, ob er den Geburtshelfer des Rock ‚n’ Roll ansprechen soll. Aber Jeff Lynne befürchtet, dass Chuck Berry seine Version vielleicht nicht ausstehen kann, und so geht er unerkannt an ihm vorbei.

 Autorin: Bettina Exner

Stand vom 12.8.2011

zum Nachhören 

Audio 12.08.2011

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