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Mi, 23.05.2012 | 15:47 Uhr | Jetzt läuft: Harpo - Moviestar

Popgeschichten

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Bronski Beat - Smalltown Boy

Wie Oskar mit der Blechtrommel schwule Jungs zum Singen bringt.

Schwere Jugend in einem schwulenfeindlichen England
Jimmy und Steve wachsen beide im schottischen Glasgow auf. Die beiden Jungs kennen sich nicht, haben aber die gleichen Probleme: beide sind irgendwie anders als ihre Klassenkameraden. Von ihren Familien wird das ignoriert, aber in der Schule werden beide zu Außenseitern, von den Gleichaltrigen gemobbt. Während andere spielen, vergräbt sich Steve in sein Kinderzimmer und liest „Die Blechtrommel“ von Günter Grass.

Gigs auf Hausbesetzerpartys
Es fasziniert ihn, wie sich der kleine Oskar mit seiner schrillen Stimme, die Glas zerbrechen kann, bei seinen Eltern durchsetzt. In diesen Tagen entsteht der Wunsch, der spießigen Enge seines Elternhauses zu entfliehen, denn Steve weiß, dass er schwul ist. Wenig später gibt er sich nach Jan Bronski aus der „Blechtrommel“ einen neuen Namen, als Steve Bronski packt er seine Sachen, zieht nach London. Kurz vor ihm hat schon Jimmy Somerville Glasgow verlassen, auch er hat die Lügen über seine Sexualität endgültig satt. In einem besetzten Haus in Brixton treffen sie sich zum ersten Mal. Regelmäßig singt Jimmy auf Hausbesetzerfesten. Steve ist begeistert von Jimmys hoher Falsettstimme, die ihn irgendwie an Oskar Matzerath aus der Blechtrommel erinnert.

Musik als emotionale Bewältigung
Mit dieser hohen Stimme könnten sich die schwulen Jungs Gehör verschaffen in der homophoben Gesellschaft. Zusammen mit Larry Steinbachek gründen sie Bronski Beat. Larry ist zu der Zeit der einzige, der über ein geregeltes Einkommen verfügt, er ist Tontechniker bei der britischen Telecom. Während Larry tagsüber Telefonleitungen repariert, schreiben Jimmy und Steve gemeinsam ein Lied über ihre schmerzlichen Erfahrungen als homosexuelle Außenseiter in Glasgow.

Kostenlose Studioaufnahme mit dem Postboten an den Congas
Das erste offizielle Konzert findet in der schwul/lesbischen Kneipe „The Bell“ in der Londoner Kings Cross Road statt. Bronski Beat sorgen schnell für frischen Wind in der Musikszene, die von den Smith und Soft Cell dominiert wird. Superstar Elton John hat in der „New Wave Szene“ nichts zu melden. Auch die Presse ist interessiert an der ersten, offen schwul lebenden Band, hievt Bronski Beat auf die Titelseiten. Zwischenzeitlich hat Ultravox-Sänger John Foxx dem abgebrannten Trio sein Garden-Studio zur Verfügung gestellt, wo sie „Smalltown Boy“ kostenlos aufnehmen können. Geld für Studiomusiker haben sie nicht, der Postbote spielt die Congas. Als Elton John einen Artikel über sie liest, will der schwule Superstar Bronski Beat unter Vertrag nehmen. Er lädt sie auf sein Konzert ins Wembly-Stadion ein.

Besuch von Elton John
Schon am Nachmittag fährt eine riesige Luxuslimousine im schäbigen Arbeiterviertel vor, Jimmy, Steve und Larry beobachten hinter der Gardine, wie der Fahrer aussteigt. Es ist ihnen so peinlich, dass sie sich heimlich nach und nach in die Limousine schleichen, damit die Nachbarn nicht sehen, wer da so luxuriös abgeholt wird. Unterschrieben haben sie übrigens nicht bei Elton John, denn längst stehen die Plattenfirmen Schlange bei Bronski Beat.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 22.6.2011

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