Hauptdarsteller gesucht
Die Dreharbeiten zu Pat Garrett & Billy The Kid stehen unter keinem guten Stern. Der ehrgeizige Regisseur Sam Peckinpah hat die wahnwitzige Vorstellung, den ultimativen Western zu drehen über den legendären Verbrecher Billy the Kid, und seinen väterlichen Jugendfreund Pat Garrett, der ihn schließlich erschießt.
Rudy Wurlitzer hat das Drehbuch geschrieben, dass der egomanische Regisseur erstmal auseinander nimmt. James Coburn spielt den Sheriff Pat Garrett, einen passenden Billy the Kid haben sie noch nicht gefunden. Wurlitzer bringt seinen Freund Kris Kristofferson ins Spiel.
Bob Dylan wird Schauspieler
Der bekannte Folkmusiker schleppt sein gesamtes Gefolge mit zum Dreh, sogar Ehefrau Rita Coolidge bekommt eine Rolle. Bob Dylan, ein enger Freund von Kris, wird für die Filmmusik angeheuert und wenn er schon mal da ist, kann Bob auch gleich noch den „Alias“ spielen. Die Hippies der Woodstock-Generation können sich gut in das Lebensgefühl von Billys Bande einfühlen. Das Credo der Rockstars „Live fast, die young“ – „Leb schnell, stirb jung“ verkörpern Kris und seine Freunde perfekt.
Chaos bei den Dreharbeiten
Am Set sieht es eher wie ein Hippiegelage aus als nach Filmarbeit. Aber durch Regisseur Peckinpah wird aus „Love & Peace“ schnell ein Desaster. Der steckt nämlich gerade mal wieder in einer Scheidung und ist ab mittags eigentlich immer betrunken. Regelmäßig schreibt er im Vollrausch spontan das Drehbuch um, so dass die Schauspieler nie wissen, was am nächsten Tag auf sie zu kommt.
Den Budget- und Zeitplan überschritten
Endlich ist auch Bob Dylans Soundtrack fertig, aber natürlich mäkelt Peckinpah auch daran herum. Er schickt Dylan mit einem Filmmusikprofi zurück ins Studio, aber den ekelt Bob schnell wieder raus. Am Ende beschreiben die entnervten Schauspieler die Dreharbeiten als Schlachtfeld, kehren mit 111.000 Metern Film aus Mexiko zurück. Peckinpah hat das Budget um 1,5 Millionen Dollar überzogen und liegt 21 Tage über dem Drehplan.
Nie wieder einen Soundtrack!
MGM ist entsetzt. Mit einer Länge von 160 Minuten ist der Film sowieso für sie völlig unbrauchbar. Gegen den Willen des Regisseurs schneiden sie das Werk auf knappe 2 Stunden und bringen es doch noch pünktlich in die Kinos. Bob Dylan ist so erschöpft und genervt von seiner Doppelrolle als Musiker und Schauspieler, dass er sich schwört, nie wieder einen Soundtrack zu schreiben.
Bettina Exner