Schwerer Anfang im Musikbuisness
Anfang 1972 ist Billy Joel auf der Flucht. Im Gepäck: ein missglückter Selbstmordversuch mit Möbelpolitur. Ausserdem dabei: ein Plattenvertrag, bei dem er das Kleingedruckte nicht gelesen hat und eine Fehlpressung seiner ersten Langspielplatte, die so niemand kaufen mag. Dabei war Billy so glücklich, als er bei Artie Ripp von Family Records endlich einen Fuß in der Tür des Musikgeschäfts hat. Seit er als 15-Jähriger die Beatles bei Ed Sullivan gesehen hat, steht sein Berufswunsch fest, aber leider hat Family Records seine Songs in falscher Geschwindigkeit aufgenommen.
Immer das Kleingedruckte lesen!
„Ich klinge wie ein Kastrat“, schreit er Artie entgegen, bevor er untertaucht. Denn nach dem Streit mit seinem Plattenboss hat sich Billy seinen Vertrag mal genauer durchgelesen. 10 Alben soll er für Artie produzieren. Nach diesem Desaster unvorstellbar für ihn. Billy legt sich einen neuen Namen zu. In Los Angeles mietet sich er sich als Bill Martin eine kleine Bude und findet gleich ein Engagement in der Bar „The Executive Room“. Artie Ripp schäumt vor Wut, während es Billy Joel gut hat in dieser Bar. Er lernt viele, interessante Menschen kennen. Der Barkeeper versorgt ihn liebevoll mit Drinks.
Erste Begegnung mit Bob Dylan
Als er eines Abends Bob Dylan im Fernsehen sieht, bekommt er einen Lachanfall. Bob Dylan hat ein Gestell um den Hals - es sieht aus, als hätte der Folkstar einen schlimmen Unfall gehabt. Als er dann anfängt zu singen, kommt es Billy so vor, als hätte sich dieser auch die Stimmbänder verletzt, so schrecklich schräg klingt der Gesang. Wenig später jedoch erklärt sich das merkwürdige Konstrukt, Bob Dylan spielt Mundharmonika, hat keine Hand frei, diese zu halten, denn er spielt parallel Gitarre. Billy Joel hat eine Idee für ein Lied, über all die Menschen in der Piano-Bar und mit Mundharmonika. Ein anderer neuer Song ist “Captain Jack”, den er oft in der Bar spielt. Eine Live-Aufnahme davon gerät zufällig in die Hände eines Radio-DJs.
Frag den Barkeeper
Jeden Abend spielt Ed Sciaky den Song von Bill Martin in seinem Lokal-Sender in Philadelphia, die Hörer sind begeistert. Ein Talentscout von Columbia Records (CBS) bekommt Wind von dem Powerplay, aber von einem Bill Martin hat er noch nie gehört. Herb Gordon macht sich auf die Suche, als er einen heißen Tipp von dem Barkeeper des „Executive Rooms“ bekommt. Als er Bill Martin am Piano der Bar sichtet, schwant ihm, wen er da wirklich vor sich hat, denn von Billy Joel hat er schon viel gehört.
Zwischen allen Stühlen
Trotz seiner schlechten Erfahrung mit einer Plattenfirma folgt Billy Joel dem Talentscout zu dessen Chef. Clive Davis zögert nicht lange, nimmt Billy sofort unter Vertrag, obwohl dieser für 10 Alben an Family Records gebunden ist. Clive Davis versucht, Billy aus dem Vertrag zu kaufen, aber das Kleingedruckte erweist sich als rechtskräftig. Zähneknirschend nehmen CBS und Billy Joel in Kauf, dass sie nun Tantiemen an Artie Ripp zahlen müssen und auf jeder Platte das Logo der Firma prangt, obwohl die nicht einen Handschlag für Billys Erfolg getan hat. Columbia Records geben Billy das Vertrauen in das Musikgeschäft zurück. Sorgfältig wird die erste Platte vorbereitet, und gleich die erste Single wird ein Megahit!
Autorin: Bettina Exner