Songidee im Auto
1977 ist Amanda McBroom auf dem Weg nach Hause. Die Sängerin und Songschreiberin freut sich auf ihren Mann und die Hunde und Katzen, die auf sie warten. Im Autoradio läuft gerade ein Song von Leo Sayer. Beschwingt summt Amanda mit, bis sie über eine Zeile stolpert. „Your love is like a razor. My heart is just a scar”, „deine Liebe ist wie ein Messer, mein Herz nur eine einzige Wunde“. So fasziniert Amanda von dieser dramatischen Aussage ist, zustimmen kann sie nicht.
Sie denkt an ihren Ehemann George. Während sie weiter auf der Autobahn fährt, sinnt Amanda darüber nach, was Liebe für sie eigentlich bedeutet. Plötzlich kommen die Worte wie von selbst, sie hat bald einen fertigen Text über die Liebe im Kopf. Amanda drückt aufs Gaspedal, um schnell nach Hause zu kommen, um die Zeilen aufzuschreiben, bevor sie sie wieder vergisst. In nur 10 Minuten ist „The Rose“ fertig. Sie ruft ihren erstaunten Ehemann, spielt ihm den fertigen Song vor. „Du hast gerade einen Evergreen komponiert“, orakelt George.
Soundtrack zum Film über Janis Joplin gesucht
Sie lacht, denn bisher hat sie nicht einen einzigen Song verkauft. „Denk an meine Worte, es wird etwas mit diesem Lied passieren!“ sagt George. „The Rose“ verstaubt in der Schublade bis ein Jahr später ein Freund von einem Filmprojekt erzählt. Regisseur Mark Rydell plant einen Film über die viel zu früh verstorbene Rockikone Janis Joplin, Arbeitstitel seines Filmes ist „Pearl“, Spitzname von Janis und der Name ihres letzten Albums.
Die Produzenten suchen gerade nach einem Titelsong für den Film, nachdem die Familie von Janis Joplin die Benutzung des Namens „Pearl“ als Filmtitel und auch Original-Musik von Janis verboten hat. Amanda, die selbst gar nicht weiß, wie man einen Song verkauft, erlaubt ihrem Freund, den Produzenten „The Rose“ anzubieten. Die hassen das Lied auf Anhieb, denn schließlich planen sie einen Rock‚n’Roll Film und keine Liebesschnulze. Das Demotape landet im Mülleimer.
Geheime Post an Bette Midler
Langsam wird der musikalische Direktor des Films ungeduldig. Paul Rothchild, Produzent des letzten Janis Joplin Albums „Pearl“, fischt das Band wieder aus dem Papierkorb. Er findet den Song gar nicht so schlecht, aber die Produzenten bleiben bei ihrem Nein. Heimlich schickt Paul das Band an die Hauptdarstellerin. Bette Midler ist bereits über dreißig und hat endlich ihre erste Hauptrolle ergattert. Als Bette das Tape aus ihrem Briefkasten fischt und es sich anhört, springt sofort ein Funke über.
Ende gut, Alles gut
Sie mag das Lied, außerdem passt es zu ihrer kraftvollen Stimme. „The Rose“, sagt Frau Midler, sei außerdem der perfekte Filmtitel. Und sie soll Recht behalten. Bette Midler bekommt für ihre Darstellung einer gebrochenen Sängerin gleich zwei Golden Globes, einen übrigens als beste Nachwuchsdarstellerin (mit 34). Auch der von den Produzenten so ungeliebte Song sahnt einen Preis ab. Die Prophezeiung von Amanda McBrooms Ehemann hat sich äußerst lukrativ bewahrheitet.
Autorin: Bettina Exner