Eine Nr.1 in der Heimat
Australien haben die Brüder Gibb bereits erobert, England und Amerika stehen nun auf dem Karriereplan von Vater Hugh. Er schickt ein Band nach England an den Beatles-Manager Brian Epstein, aber der ist mittlerweile von Drogen derart umnebelt, dass er es an seinen Partner Robert Stigwood weiterreicht. Robert hört sofort das Potential. Während die Familie Gibb 1966 per Schiff in Richtung Heimat England unterwegs ist, haben die Bee Gees ihren ersten Nr. 1 Hit in Australien. Sie erfahren es erst bei ihrer Ankunft.
Hits am Fließband
Robert hat ehrgeizige Pläne mit den Bee Gees, will sie gleichzeitig in England und Amerika etablieren als soliden, geschniegelten Gegenentwurf zu den langhaarigen Beatles und Stones. Popstars der Marke Schwiegersohn, das ist die Marktlücke. Und da Barry Gibb Songs wie am Fließband komponiert, will er zum Aufwärmen erstmal eine Nummer für Otis Redding haben.
Flower Power in Kalifornien
Leider stirbt er bei einem Flugzeugabsturz, bevor er den Song überhaupt gehört hat. Die Bee Gees müssen selber ran. Und prompt katapultiert sie der Song, den später fast alle Künstler singen, die etwas auf sich halten, in die amerikanischen Charts. Im Sommer 1967 sind die Bee Gees zum ersten Mal auf Tour in Amerika. Es ist der „Summer Of Love“, Höhepunkt der Hippiebewegung. Überall schlurfen langhaarige, bekiffte Männer und Frauen barfuss mit seligem Gesichtsausdruck und Blumen im Haar durch die Straßen, murmeln „Love & Peace“, träumen von freier Liebe, hören immer nur ein einziges Lied.
Was liegt eigentlich im Osten?
„Dann sollen sie doch dahin gehen“, maulen Barry, Robin und Maurice, als selbst in New York diese entrückten Gestalten durch die Straßen schleichen. Im St. Regis Hotel sitzen die drei genervt in der Lobby. Plötzlich erschallt aus den Lautsprechern. Scott McKenzies „San Francisco“. Sind sie denn nirgends sicher vor dem schrecklichen Lied? Und wenn alle an die Westküste pilgern, gehen dann im Osten bald die Lichter aus?
Was liegt eigentlich im Osten der USA? Sie schauen sich die Landkarte an, bleiben bei Massachusetts hängen. Das Wort gefällt ihnen. Obwohl die drei noch niemals dort waren, schreiben sie mit „Massachusetts“ ihren „Anti-Flower-Power-Song“. Selbst singen wollen sie das nicht, für die australischen Seekers haben sie das Lied geschrieben.
Die wollen aber auch nicht. Bald ist der Traum vom „Summer Of Love“ ausgeträumt, macht den Weg frei für den Bee Gees Hit „Massachusetts“, in dem die Menschen aufgefordert werden, gefälligst in den Osten zurück zu kehren.
Autorin: Bettina Exner