Saubermänner aus Down Under
1968 ist ein gutes Jahr für die in Australien aufgewachsenen Gebrüder Gibb! Aus den Kinderstars ist eine richtige Band geworden, die einen Hit nach dem anderen landet. Im Gegensatz zu den Beatles und den Stones haben die nun in England lebenden „Aussies“ ein blütenweißes Image. Keine ungekämmten, langen Zotteln auf dem Kopf, keine Drogen, keine Skandale. Gerade wurde Barry Gibb zum schönsten Mann der Welt gewählt, Robin kann da rein äußerlich nicht mithalten. Macht aber nichts, dafür ist er der Leadsänger der Band. Nun ist das Trio mit dem Flugzeug unterwegs nach Deutschland.
Über den Wolken
In Essen soll die deutsche Tour starten. Sie fliegen von London aus mit einer „Vickers Viscount“, seinerzeit das erste Flugzeug mit einem Turboprop-Antrieb. Entspannt nehmen die Jungs im Flugzeug Platz, gucken aus den großen Fenstern, die Propeller springen an. In der Luft ist soweit alles in Ordnung, Robin Gibb döst vor sich hin. Im Halbschlaf nimmt er die monotonen Geräusche der Triebwerke wahr, die auch die anderen Passagiere in einen tranceartigen Zustand versetzen.
Seltsame Flugzeuggeräusche
Langsam formt sich in Robins Ohren eine seltsame Melodie. Er ist nicht wirklich wach, als er einen Kirchenchor aus den Propellergeräuschen heraus hört. Erschrocken fährt er aus seinem Sitz hoch. Da stimmt doch etwas nicht mit dem Flugzeug. Beunruhigt rennt er zum Piloten, aber der kann Robin beruhigen. Es ist alles in bester Ordnung. Robin schleicht auf seinen Platz zurück, schnappt sich einen Zettel und schreibt einen Text zu der gerade gehörten Melodie.
Aufgeregt erzählt er seinen Brüdern von seinem Erlebnis im Halbschlaf, er summt ihnen die von den Luftschrauben komponierte Melodie vor. Kaum sind sie in Essen gelandet, rasen Robin, Barry und Maurice ins Hotelzimmer und schreiben den Song zu Ende. Tantiemen haben die Propeller nicht zu erwarten. Sie werden nicht mal auf der Platte erwähnt. Und während die Bee Gees heute Geschichte sind, fliegt das kleine Turbo-Prop-Flugzeug noch immer, allerdings nicht mehr im normalen Passagierbetrieb, nur noch für Privatkunden.
Spaßvogel Robin Gibb
In Interviews erzählt Robin Gibb später augenzwinkernd gerne eine andere Geschichte. Auch der Pilot sei von den musikalischen Propeller-Geräuschen so beunruhigt gewesen, dass er sofort zur Notlandung auf einer Lichtung ansetzte. Von dort seien die Brüder in die nächste, deutsche Dorfgaststätte gerast und hätten den „Propeller-Song“ vollendet. So isser, der Robin Gibb: immer einen Joke am Start.
Autorin: Bettina Exner