Schwieriger Start
Als die Beatles 1962 im Büro des Produzenten und Plattenbosses George Martin vorsprechen beziehungsweise vorsingen, findet der ihre Songs einfach nur langweilig. Besonders schrecklich hört sich „Please Please Me“ in seinen Ohren an, eine billige Roy Orbison Kopie. Obwohl sich John Lennon so viel Mühe damit gemacht hat.
Idol Roy Orbison
John wohnt immer noch bei Tante Mimi in der Menlove Avenue in Liverpool. Hoffnungsvoll hockt er in seinem alten Jugendzimmer und hört Musik. Roy Orbison ist sein Favorit. Da ahnt er noch nicht, dass ihm dieser schüchterne, kurzsichtige Mann einmal die Show stehlen wird. Tat er dann nur ein Jahr später, als er als Einheizer der Beatles 14 Zugaben geben musste und danach keiner mehr nach John Lennon verlangte. Aber 1962 hört er Roys schmachtende Stimme noch unbelastet, er liebt „Only The Lonely“, hört es immer wieder an.
So ein Lied will er für seine Pilzköpfe schreiben, stundenlang feilt er an Text und Melodie. Zwischendurch legt er Bing Crosby auf, den er ebenfalls verehrt. Die Doppeldeutigkeit seines Textes beschäftigt ihn. Please bedeutet nicht nur „bitte“, sondern auch „bedienen, erfreuen“.
Sympathische Jungs mit einem langweiligen Song
Stolz trägt er das fertige Teil zu seinen Freunden, Paul, George & Ringo finden den Song super. Aber nun, im Büro des erfahrenen Produzenten, zerfleddert der es in der Luft. Die Musik findet er langweilig, aber die vier Jungs gefallen ihm irgendwie. George Martin fühlt sich wohl in der Gegenwart der Beatles, und wenn ihm das so geht, geht es vielleicht auch anderen so.
Von all den langweiligen Liedern schnappt er sich „Love Me Do“, das Paul McCartney mit 15 geschrieben hat, fügt im Studio eine Harmonika dazu und veröffentlicht es. Kaum jemand nimmt Notiz von dem Erstling der Beatles, bis Manager Brian Epstein 2000 Exemplare kauft und den Song so in die Charts hievt, immerhin auf Platz 30. Schnell muss Nachschub her, George Martin kramt „Please Please Me“ wieder hervor, schickt seine Jungs ins Studio mit der Maßgabe, die dröge Melodie dynamischer zu gestalten.
Generalüberholung für den Nr1.-Hit
Als sie wiederkommen, staunt er nicht schlecht: er hat gerade einen Nummer Eins Hit gehört! Und dass John Lennon da über Fellatio – eine in den 60ern noch weitaus weniger bekannte sexuelle Praktik - singen könnte, dementiert das Management rigoros, schließlich haben die Beatles zu der Zeit ein blütenreines Schwiegersohn-Image zu verlieren!
Bettina Exner