Idol John Lennon
Der Liverpooler Paul McCartney bewundert seinen älteren Freund John Lennon sehr. 1959 studiert John bereits Kunst am Liverpooler College of Art, trägt schwarze Klamotten und ist sehr cool. Paul geht noch mit George auf die Schule nebenan, 1 ½ Jahre Altersunterschied sind Welten in den Augen des 17-jährigen Paul.
Aber seit Lennons Sandkastenfreund Ivan Vaughan die beiden 1957 bekannt gemacht hat, machen sie zusammen Musik und John schleift seinen jüngeren Freund mit auf die angesagten Uni-Partys mit den schönen Studentinnen. John’s Uni-Dozent Austin Mitchell ist ein großer Fan des Französischen Lebensstils, auf seinen Partys läuft Musik von Juliette Créco und Sacha Distel.
Black is beautiful
Das angesagteste Kleidungsstück in diesen Tagen ist ein schwarzer Rollkragenpulli, in so einem hockt Paul auf einer dieser Partys in der Ecke und tut so, als wäre er ein Franzose wie Sacha Distel. Jeder Junge wollte sein wie er.
Um die Mädels zu beeindrucken, schnappt sich Paul seine Gitarre, obwohl er kaum mehr als 10 Worte Französisch kann. Paul spielt eine melancholische Melodie, singt sein beschränktes Vokabular und kauderwelscht weiter in sinnbefreitem Französisch. Kein Mensch versteht, was er da singt, aber die Studentinnen scharen sich um ihn.
Homage an die Französisch-Lehrerin
Sechs Jahre später sind die Beatles bereits weltberühmt, als sich John Lennon an die Melodie erinnert, die Paul damals auf der Party spielte. „Wollen wir daraus nicht einen richtigen Song machen?“, schlägt er Paul vor. Die beiden sind sich einig, die damalige Stimmung des Liedes soll unbedingt erhalten bleiben, allerdings in richtigem Französisch.
Die Ehefrau von Johns Freund Ivan Vaughan ist Französischlehrerin, Paul lädt die beiden zu sich nach Hause ein. Paul will einen weiblichen, französischen Vornamen von Jan Vaughan wissen, „Michelle“, schlägt sie vor. Das gefällt Paul, was reimt sich darauf? „Ma belle“, antwortet Jan. “Diese Worte klingen gut zusammen”, sagt Paul.
Für die First Lady
Als er John Lennon das Lied vorspielt, fehlt dem noch der Tiefgang. Gerade hat er im Radio Nina Simone’s „I Put A Spell On You“ gehört. Gute Idee, findet Paul und singt “I Love You” gleich dreimal. Dreimal schmachtet Paul McCartney „I Love You“ auch am 2. Juni 2010 im Weißen Haus in Richtung Michelle Obama, der First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika.
Ob Barack Obama es wohl mag, wenn ein anderer seiner Michelle ein Liebeslied singt, fragt sich Paul McCartney vor seinem Auftritt. Vielleicht würde er von Barack Obama ja auch eifersüchtig niedergeschlagen werden, scherzt er. Aber Michelle Obama lächelt nur geschmeichelt, während der Präsident textsicher mitsingt und seine Frau liebevoll anschaut.
Autorin: Bettina Exner