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Di, 18.06.2013 | 07:26 Uhr

Popgeschichten

The Beatles; Foto: dpa-Bildfunk

The Beatles - I Am The Walrus

Warum wir John Lennons alter Schule den sinnlosesten Song der Beatles verdanken.

Kreativ unter Drogen
Ungläubig starrt John Lennon auf den Briefumschlag. Absender ist ein Schüler der Quarry Bank Schule, auf der er selbst einst die Schulbank drückte und seine erste Band, The Quarrymen, nach der Schule benannte. Neugierig reißt John den Brief auf, erfährt, dass sein alter Lehrer mit den Schülern Interpretationen von Beatles-Songs im Unterricht erarbeiten will. John lacht sich ins Fäustchen.

Denen wird er eine harte Nuss zu knacken geben. So wie Bob Dylan mit seinen geheimnisvollen, teilweise absurden Texten will er dem Schüler einen Song schicken, den er nicht mal selbst versteht. Der Beatle hat noch drei Songfragmente in der Schublade. Eines handelt von einer musikalisch nachempfundenen Polizeisirene, geschrieben einst unter Drogeneinfluss.

Der zweite Entwurf, ebenfalls unter Acid, handelt von einem Nachmittag in seinem Garten in Weybridge und der dritte ist kompletter Blödsinn und beschäftigt sich mit der Frage, wie es sich auf einem Cornflake sitzt.

Die seltsamen Sexspiele des Eric Burdon
John erinnert sich an seinen Freund Eric Burdon von den Animals. Der wird unter Freunden nur noch „Egg“ genannt, weil er gerne nackten Frauen ein rohes Ei über dem Körper aufschlägt, bevor er „zur Sache“ kommt. Einmal war John sogar selbst Zeuge so einer Szene. Anfeuernd hat er seinem Freund zugerufen: „Go on, get it, Eggman“. Dieser Eggman soll nun sein Nonsenslied für seine Schule bevölkern.

Total durchgeknallt
Seit langem ist John Fan von „Alice im Wunderland“-Autor Lewis Caroll, auch die Fortsetzung, „Alice hinter den Spiegeln“ liegt auf seinem Nachttisch. Besonders liebt er das Kapitel „Das Walross und der Zimmermann“. Jenes Walross muss auch unbedingt in den Song. Noch ein kleiner Seitenhieb an Bob Dylan, den selbsternannten Joker, und die Hare Krishna-Anhänger, „Eleanor Rigby wird noch mal wieder belebt und auch „Lucy In The Sky“ findet Erwähnung.

Befriedigt schickt John am 1. September 1967 sein Lied an die Schüler. Er ist gespannt, was die Klasse da „heraus analysieren“ wird. Auch Yoko findet, dass der Song viel zu schade ist, um nur von einer Schulklasse gehört zu werden. Also trägt John sein absurdes Kunstwerk ins Tonstudio. Spontan nimmt Produzent George Martin die Shakespeare Inszenierung „König Lear“ auf, die gerade im BBC Radio läuft. Damit soll der Song enden.

Veto von Paul McCartney
Alle sind begeistert, obwohl das gar keinen Sinn ergibt. Alle außer Paul. Der findet den Song einfach nur blöd. Die Plattenfirma stimmt ihm zu. Sie nehmen lieber das kommerziellere „Hello Goodbye“ als neue Single. Das Walross muss auf der B-Seite Platz nehmen. John flucht, er habe es satt, Begleitmusiker für Paul McCartney’s seichte Songs zu spielen.

Die Klasse brütet immer noch über der Bedeutung dieses Beatles-Songs, als John, diesmal drogenfrei, plötzlich den wahren Sinn der Lewis-Geschichte erkennt. Da hat er wohl eine Kleinigkeit übersehen, denn nicht das Walross verkörpert das Gute, sondern der Zimmermann. Blöd gelaufen, das Walross steht für den Menschenausbeutenden Kapitalismus, der Zimmermann für ein soziales Miteinander. Ändern kann John das nun nicht mehr, denn längst ist er als musikalisches Walross verewigt.

Autorin: Bettina Exner

Stand vom 30.12.2010

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