Zu schüchtern für die Bühne
Eigentlich mag der schüchterne Lucio Battisti seinen Job als Musiker nicht. Der scheue Italiener will keine Interviews und Autogramme geben, er will nicht auf der Bühne stehen, sondern einfach nur gute Musik komponieren. Aber seit ihn eine französische Talentsucherin entdeckt hat, häufen sich die Anfragen, seine Songs endlich selbst zu singen. Auch die Plattenfirma interveniert, denn der Lockenkopf hat alles - auch optisch-, was Teenagerherzen zum Schmelzen bringt. 1968 ist es dann soweit, Lucio gewinnt den ersten Songcontest.
Band gesucht
Der neue italienische Superstar schreibt so viele Songs, die er unmöglich alle selbst singen kann. Das müsste doch eigentlich auch im Mutterland der Popmusik, in England, funktionieren. Er fragt die Tremeloes, ob sie seinen Hit aufnehmen möchten. Sie möchten nicht. Aber es gibt eine andere Band auf der Insel, die dringend Songs suchen. 7 Schulfreunde haben 1966 die Band Amen Corner gegründet: virtuos an den Instrumenten, gut bei Stimme, aber als Songschreiber eine Niete. 1969 schnappen sie sich Lucios Song und landen ihren ersten Nr. 1 Hit.
Auftragsarbeit von Udo Lindenberg
Auch die Hollies brauchen einen Hit und nehmen ein Lied von Lucio auf, David Bowie übersetzt einen Song für Mick Ronson. Die ZDF Show „Liederzirkus“ hat den Italiener eingeladen, die Plattenfirma will, dass Lucio auch einen deutschen Song singt, aber Lucio kann die Sprache nicht. Das Studio ist gebucht, man will ein komplettes Album in deutscher Sprache aufnehmen. Zu dieser Zeit trommelt Udo Lindenberg bei Klaus Doldingers Passport, veröffentlich erste Alben, die sich jedoch kaum verkaufen. Kurz vor seinem Durchbruch mit „Andrea Doria“ nimmt er deshalb den Auftrag an, Lucio Battistis Texte ins Deutsche zu übersetzen.
Das süße Leben der Popstars
Kurz danach verschwindet Lucio Battisti von der Bildfläche, er macht zwar weiter Musik, aber es gibt keine öffentlichen Auftritte mehr, die den Musiker immer sehr viel Überwindung gekostet haben. Die sieben Freunde der englischen Band Amen Corner lassen es sich nach ihrem Battisti-Hit „Paradise is Half As Nice“ richtig gut gehen, leben mit edlen Rennpferden auf einem Schloss, haben eine eigene Fernsehshow, fahren teure Autos.
Das etwas andere Beatles-Cover
Nach einem Nachfolgehit wird der Erfolg spärlicher, immer schwerer wird die Suche nach geeigneten Songs, denn selbst bringen sie nach wie vor nichts Anständiges zustande. Als darüber ihre Plattenfirma pleite geht, veröffentlichen sie „Get Back“ von den Beatles als ihren „Schwanengesang“. Andy Fairweather Low, der schon zu Amen Corner-Zeiten als „Leiharbeiter“ mit Eric Clapton, Roger Waters, George Harrison auf Tournee gegangen ist, wird auch heute noch von den Großen als Gitarrist und Sänger gebucht.
Autorin: Bettina Exner