Leicht haben es die Eltern des kleinen Egbert Nathaniel Dawkins nicht in Los Angeles als Einwanderer aus Panama. Mehr schlecht als recht schlagen sie sich durch, aber ihrem Jungen erfüllen sie jeden Wunsch. In der Schule lernt Egbert Trompete zu spielen, die Weichen sind gestellt. Während des Studiums kommen weitere Instrumente dazu. Wie ein Großer beherrscht der Student Klavier und Gitarre.
Aloe Blacc fängt an zu Rappen
Schon früh bekommt der Sohn südamerikanischer Einwanderer die Klassenunterschiede in Amerika zu spüren. Er setzt sich mit den sozialen Ungerechtigkeiten des Kapitalismus auseinander, in dem die Schwachen und Armen durch das Raster fallen und sich kaum jemand darum kümmert. Mit dem Künstlernamen Aloe Blacc geht Egbert rappend dagegen an, aber es hört ihm niemand zu. Die Armut vor Augen, nimmt der Musiker lieber einen sicheren Job an, schließlich hat er studiert. Bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young macht er sich gut, ohne seine Ideale von der Gleichheit aller Menschen zu verraten. Die Finanzkrise macht der hoffnungsvollen Karriere ein Ende, Egbert Dawkins bekommt seine Kündigung. Das Unternehmen muss viele Mitarbeiter entlassen nach dem Bankencrash der Lehman-Brothers.
Aus dem Job wieder in die Musik
Jetzt oder nie, denkt sich Egbert, der nun seinen Künstlernamen wieder annimmt und alles auf eine Karte setzt. Seine letzten Ersparnisse kratzt er zusammen, um nur noch Musik zu machen. Aber richtig gut läuft es nicht, besorgt beobachtet Egbert-Aloe sowohl seinen Kontostand als auch die vielen Obdachlosen auf der Straße, ob er wohl selbst bald dazu gehören wird? Unermüdlich schreibt er Lieder gegen den Kapitalismus, gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit, während die Ersparnisse schwinden.
Der Titelsong zu „How to make it in America“
Die Rettung naht, als ihn Mark Wahlberg eines Tages anruft. Marky Mark, jüngerer Bruder von Donnie Wahlberg von den "New Kids On The Block", hat seine Musikkarriere (einst von seinem Bruder finanziert) längst aufgegeben, ist nun ein gefragter Schauspieler und Produzent. Eine neue Show soll dem Bezahl-Sender HBO neue Abonnenten bringen, es ist eine Doku-Soap über den Amerikanischen Traum von zwei Youngstern in der New Yorker Modebranche. Aloe Blacc soll den Titelsong zu „How to make it in America“ schreiben. Nichts leichter als das, denn längst hat er den Text über einen arbeitslosen Underdog in der Schublade.
In Zeiten der Wirtschaftskrise trifft der Song den Nerv der Zeit, wo viele jeden Cent zweimal umdrehen. Für Aloe Blacc jedoch geben sie Geld aus, überall in Europa geht die Rezessionshymne in die Charts. Obwohl es der Künstler finanziell nun nicht mehr nötig hat, flattern bei Konzerten Dollarnoten auf die Bühne.
Übrigens: Für das Unternehmen Grand-Prix-Titelverteidigung von Lena Meyer-Landrut hat Aloe Blacc „My All“ komponiert, die Ballade wurde von den Zuschauern jedoch nicht gewählt. Stattdessen geht das verschwörerische „Taken By A Stranger“ an den Start.
Bettina Exner