Auf der Suche nach dem passenden Song
Laura Branigan ist eine Ausnahme-Sängerin, findet 1979 der Plattenboss Ahmet Ertegün von Atlantic Records. Sie hat einen Stimmumfang von 4 Oktaven, und intelligent ist die hübsche Amerikanerin obendrein. Das weiß auch Leonard Cohen, der sie regelmäßig als Backgroundsängerin auf seine Europatouren mit nimmt. Lauras Alt-Stimme liegt irgendwo zwischen Donna Summer und Barbra Streisand, aber der Chef der Plattenfirma findet einfach keine passenden Songs für seinen neuen Schützling. In Italien wird Ertegün schließlich fündig.
Duell in den Charts
Umberto Tozzis Song ist Laura Branigans Eintrittskarte in die Charts, aber an einem Nachfolgehit wird lange herumgedoktert. Bis der deutsche Produzent Horst Nussbaum, besser bekannt als Jack White, für den weltweiten Durchbruch sorgt. Was dann im Frühsommer 1984 passiert, ist ein musikalisches Duell der besonderen Art. Denn kurz nach Laura Branigans Veröffentlichung von „Self Control“, bringt die Konkurrenz eine Fassung von Raff heraus.
Der kleine Unterschied
In Deutschland bekommt der Interpret aus Italien ein zweites „f“ am Ende, um sich von den Terroristen der „Roten Armee Fraktion“, kurz RAF genannt, zu unterscheiden. Nun heißt es: „Self Control“ gegen „Self Control“, beide Versionen finden Liebhaber, aber die Presse nennt Raff höhnisch einen Trittbrettfahrer, der sich an Laura Branigans Erfolg dranhängt. Bis der Italiener Raff den Medien empfiehlt, einfach mal das Kleingedruckte auf Lauras Platte zu lesen, dort steht als Songschreiber: Raffaele Riefoli, Künstlername: Raff!
Die klare Nr. 1 ist Laura Branigan
Nun ist Raffaele zwar rehabilitiert, aber in den Charts hat trotzdem Laura Branigan das Sagen, sie ist 1984 in Deutschland auf Platz 1, und sogar in Amerika ist ihre Version wochenlang in den Top 10. Raff ist mit seinem „Self Control“ in Italien die Nummer eins, in Deutschland sortiert er sich hinter Laura Branigan auf Platz 2 ein. Das kann ihm letztlich auch egal sein, denn die Tantiemen kassiert er für beide ganz alleine. Das wird den knappen Verlierer des Songduells mehr als getröstet haben.
Autorin: Bettina Exner