Air Supply (Quelle: imago stock&people/Ralph Dominguez)
Download (mp3, 3 MB)

- Air Supply - All Out of Love

Wie zwei australische Musicalsänger mit Unterstützung des größten Hitmacher der USA, Clive Davis, weltweit als Air Supply Karriere machen.

Die beiden "Russels"
Beim Casting für die australische Version des Musicals "Jesus Christ Superstar" sitzen Graham Russel und Russel Hitchcock nebeneinander im Warteraum. Als sie sich vorstellen, müssen sie über die Namensgleichheit lachen, trägt doch der eine den Vornamen des anderen als Familiennamen (oder umgekehrt).

Beide bekommen eine Rolle. Sie werden beste Freunde. Das Musical läuft gut, 18 Monate haben die beiden keine finanziellen Sorgen. Aber im Februar 1974 läuft die letzte Vorstellung, die beiden "Russels" gründen die Band Air Supply, veröffentlichten einige Singles und touren durch Australien.

In nur 15 Minuten hat Graham Russel "Lost in Love" geschrieben, mit dem das Duo den ersten Hit in "Down Under" landet. Gut leben können sie noch nicht davon. Graham kratzt das letzte Geld zusammen für einen Flug nach Amerika, denn ihr Verlag hatte berichtet, jemand hätte dort die Rechte an "Lost in Love" gekauft.

Kann das wahr sein?
Dieser Jemand ist der Gründer des Arista-Plattenlabels und Hitnase Clive Davis, Entdecker von Bruce Springsteen, Aerosmith, Pink Floyd und vielen anderen. Durch Zufall hat er den Song gehört, sich sofort die Amerika-Rechte gesichert und im Januar 1980 veröffentlicht. Staunend liest Graham eine Kritik im "Cash Box Magazine", in der man den Song in den Himmel lobt und über eine Platzierung unter den ersten 5 in den USA orakelt.

Auf seinem Heimweg stoppt Graham in L.A.. Schüchtern steht er im Büro des mächtigen Musikchefs. "Ist das wirklich wahr?", fragt er verlegen. "Klar", poltert Davis, "Ihr seid jetzt Arista-Künstler. Wo ist Euer Album?". Graham hat nicht mal das Geld für das Rückflugticket, großzügig zückt Clive Davis einen Scheck.

Während "Lost in Love" alle Erwartungen übertrifft, schickt der Chef seine Schützlinge mit Rod Stewart auf Tournee, damit die Jungs lernen und bekannter werden. Die nächste Single ist in der Heimat schon ein Nr.-1-Hit, also prüft Clive Davis den Song auf seine Hittauglichkeit für die USA.

Verliebt statt verrückt
"I'm all out of love, I want to arrest you". "Was singt der da, der will seine Verflossene einsperren, damit sie ihn nicht verlässt?" "Mein Gott, ein Stalker", Davis rauft sich die Haare. Er macht sich ernsthafte Sorgen über Grahams Psyche. Hat er etwa einen Irren unter Vertrag?

Nein, hat er nicht. In Australien legt man die Texte einfach nicht so auf die Goldwaage. Wie Schuljungs stehen sie vor dem mächtigen Musikboss, der vorschlägt, den Text in "I'm all out of love, I'm so lost without you" zu ändern.

"Großartig", stimmt das Duo zu, denn einem Clive Davis widerspricht man nicht. Außerdem kommt ihnen der ursprüngliche Text nun selbst etwas verrückt vor, so dass sie sich wundern, dass man ihnen zuhause in Australien den Stalker hat durchgehen lassen.

Beitrag von Bettina Exner / Jürgen Jürgens

Das könnte Sie auch interessieren

Beatles in Deutschland; Quelle: imago-stock

The Beatles - From Me To You

Wie der Hamburger Fotograf Jürgen Vollmer den Beatles die Haare schneidet und aus ihnen die weltberühmten Pilzköpfe macht