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radioBERLIN 88,8 - Das Hauptstadtradio

Mi, 08.02.2012 | 19:21 Uhr

Musik

Ray Wilson bei radioBERLIN 88,8. Foto: Peter Rauh (rbb)

Ray Wilson bei radioBERLIN 88,8. Foto: Peter Rauh (rbb)

Interview mit Ray Wilson

Der schottische Sänger und Songwriter im Gespräch mit radioBERLIN 88,8-Musikchef Jürgen Jürgens.

Wann hast du zum ersten Mal den Namen "Genesis" gehört?

Ich werde so 12, 13 Jahre gewesen sein, also vor 27 Jahren. Mein Freund in der Schule war sowas wie ein Hippie. der hatte das Album "Transformer" von Lou Reed und das Zeug von Pink Floyd aus den 70ern und auch Genesis. Das war das erste Mal, dass ich sie gehört habe, aber - um ehrlich zu sein - ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Viele Jahre später - als sie mich fragten, bei ihnen mitzumachen - hatte ich zwar ein paar Alben von ihnen, war aber nicht das, was man einen Fan nennen würde.

Aber ich war vertraut mit den Songs ihrer Pop-Ära, "Invisible Touch", "We Can't Dance", diese Zeit, so wie wir alle. Aber richtig in Erinnerung waren Songs wie "Carpet Crawlers" oder "The Battle Of Epping Forrest", den Peter Gabriel vor langer Zeit geschrieben hat, ein verrückter Song. Das sind meine Erinnerungen. Es gibt also wirklich viele Songs von Genesis, die ich wirklich mag, und ein paar, die ich überhaupt nicht mag. Ich bin kein überzeugter Fan, aber manches ist wirklich brillant. Darauf versuche ich mich zu konzentrieren.


Das war also lange bevor du mit deinem Bruder begonnen hast, Musik zu machen?

Verrückt, aber einer der ersten Songs, den ich je auf einer Bühne gesungen habe, war ein Genesis-Song. Auf meiner Schule in Schottland haben sie Band-Wettbewerbe veranstaltet dreimal im Jahr. Mein Bruder hat zuerst gesungen. Er ist ein paar Jahre älter als ich. Er war in einer Art Iron Maiden-Band, sie nannten sich "Prowler". Ich habe ihn auf der Bühne gesehen und war so neidisch.

Ich war da 13 Jahre und hatte bis dahin nur im Chor gesungen. Oder in der Familie. Wir waren alle recht musikalisch. Das wollte ich auch. Also, das nächste Mal, als eine Band vorbei kam, sprach ich mit einem Musiker, Guy, der spielte ein gutes Klavier, und ich fragte, ob wir nicht als Duo was machen wollten. Und er spielte mir "After The Goldrush" von Neil Young vor. Ich spiele "Jean Genie", weil ich ein großer Bowie-Fan war. Und er spielte "Carpet Crawlers", was ich noch nie zuvor gehört hatte. 

Ich sang es, obwohl ich es noch nie gehört hatte, nur nachdem er es mir vorgespielt hatte. Da liegt schon ziemlich viel Ironie drin, dass ich viele Jahre später dieses Lied mit der Band gesungen habe. Das klingt schon ziemlich erfunden, aber es ist eine wahre Geschichte. Ich hätte sehr gern eine Aufnahme davon. Vielleicht gibt es ja eine auf Cassette.


Nebenbei gefragt, was war denn die erste Schallplatte, die Ray Wilson sich gekauft hat ?

Benny Hill "The Fastest Milkman"...erinnerst du dich. Ich weiß, dass Benny Hill auch in Deutschland ziemlich populär war.

Danach schon. Er war hier niemals bekannt als Sänger, nur als dieser fette Typ, der Unsinn macht. Ich weiß, dass dieser Titel in England Nummer 1 war, aber er ist niemals in Deutschland gespielt worden, weil niemand den Text versteht und gewusst hätte, warum er lachen soll. Du wolltest also vor deiner Gesangskarriere eigentlich Comedian werden!

Ich glaube schon, ein paar Leute werden vielleicht sagen, dass ich ein Comedian geworden bin. In jedem Fall war's meine 1. Single.  


Wann fing Ray Wilson als professioneller Musiker in einer Band an?

Mit 13 habe ich angefangen zu singen, der erste Auftritt in einem Pub war mit 15. Mein Bruder, mein Freund und ich nannten uns "Rusty's Boys", denn wir nannten unseren Vater "Rusty Ron", "rostiger Ron". Wir bekamen zusammen 80 Pence, das war ziemlich gut.


Und freie Getränke, aber keinen Alkohol, weil du noch zu jung warst.

In dieser kleinen Stadt kümmert sich keiner drum, wenn du mit 15 Alkohol trinkst. Das war der Ausgangspunkt, um mit 17, 18 meine Heimatstadt zu verlassen. um ein Star zu werden. Das war meine Idee. Alle lachten mich aus. Ich ging nach Edinburgh, was nicht wirklich der Mittelpunkt der Musikszene ist.

Ich begann Songs zu schreiben und in Arbeiterkneipen zu singen, raue Bergarbeitergegend, sang Coverversions von Bowie und den Beatles und so. Etwa 6 Monate lang. Ich hatte einen vollkommen heruntergekommenen englischen Leland Chevro Van. Eine totale Katastrophe.

Damals brach die Band auseinander und ich spielte in diversen lokalen Rockbands von Edinburgh. Aber nichts hatte wirklich Erfolg. Erst als ich mit 20 einen jungen Pianisten in einer Bar kennen lernte im Zentrum der Stadt, sein Name ist Paul Holmes, war's Liebe auf den ersten Blick - musikalisch gesehen.

Von 20 - 25 Jahre hatte ich diese Zeit in Bars und Clubs, bis ich zu Stiltskin stieß. Der eigentliche Beginn meiner professionellen Karriere war mit 25.


Die Liebesgeschichte von Ray Wilson und Stiltskin ist eine längere, nur unterbrochen von einer Liaison mit Genesis.

Da, die haben meinen Traum versaut. Stiltskin war purer Zufall. Die Band, die ich mit Paul zusammen hatte, nannten wir "Guaranteed Pure", eine lokale Band in Schottland. Nachdem das nach 3 Jahren zu Ende war, hatte ich keinen Job, kein Geld und ein Haus an der Backe, also Probleme.

Ich habe Anzeigen im "Melody Maker" gelesen und Demotapes verschickt. Der Produzent von Stiltskin, Peter Lawler, hatte ihnen die Musik für einen Levy-Werbespot verschafft. Zu diesem Zeitpunkt war es nur ein Instrumental, es gab dazu noch keine Gesangszeilen. Ich bin auch bei dem Levy-Spot nicht zu hören.

Sie hatten dieses Riesen-Gitarrenriff eines wirklich tollen Musikstücks, und wir machten daraus einen Song. Mit der Power von Levy im Rücken und der Supermusik - ein bißchen so wie Nirvana, ein bißchen britisch Rock - die Mischung machte es.

So war ich vom arbeitslosen Musiker 3 Monate später - Vorsingen im Januar - war ich um April Nummer 1 in den Charts.


Du konntest also zurück in dein kleines Dorf und allen sagen: Ich hab's geschafft!

Auf meine Art. Es war reines Glück. Ich hab meine Erfahren gesammelt in all den Clubs und Bars - keine Frage. Aber der Durchbruch war Glücksache.


Der erste Erfolg mit Stiltskin war da. Nach diesem Erfolg hast du da den Druck gespürt, dass es so weiter gehen muss?

Irgendwie schon. Mir hat mal jemand gesagt. Das Problem ist, wenn's dir gut geht, die Angst wieder arm zu sein. Du lebst mit dieser ewigen Angst. Dasselbe gilt für Erfolg und Ruhm. Und natürlich im Musikbusiness kann das jeden Augenblick geschehen.

So wenige Leute sind in der Lage erfolgreich in ihrer Karriere weiter zu machen. Mit Stiltskin hatten wir dieses Riesenerfolg, "Footsteps" ging auch in die Top 20, danach ging's nur noch um Geld, alle fingen an zu streiten und alles ging schief.

So blieb ich nach dem Stiltskin-Album mit einem Haufen offener Fragen zurück und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich begann Titel zu schreiben für ein zweites Stiltskin-Album. Als es so gut wie fertig war, dealte ich gerade mit Udo Lange von Virgin in München wegen der Veröffentlichung, da klingelte plötzlich das Telefon und änderte mein Leben.


In welchem Augenblick kam dieser Anruf. Denn wenn jemand von einer Band mit diesem großen Namen anruft und fragt, ob du interessiert wärst mitzumachen, dann schaut man sich doch um auf der Suche nach einer Kamera ?

So'n bisschen ist das so. Ich erinnere mich genau. Ich machte gerade Frühstück zu Hause in Edinburgh, das Telefon klingelte und der Genesis-Manager Tony Smith war dran. Er sagte, die Band habe ein Stiltskin-Album gehört, wir waren ja bei derselben Plattenfirma, sie mögen deine Stimme und würden dich gern zum Vorsingen einladen, weil Phil Collins die Band verlassen habe.

Zu dieser Zeit wusste das noch niemand. Sie haben sich 2 Jahre Zeit gelassen, bis sie es verkündet haben. Kam mir schon vor, als ob du bei "Verstehen Sie Spaß?" vorgeführt wirst. Ich hatte schon sehr gemischte Gefühle. Ich hatte das Stiltskin-Album fertig, hatte die Band musikalisch zusammen, und hatte den Termin einer "Audition", die mein Leben verändern könnte.

Der Anruf war im Mai 1996, 2 Jahre nachdem ich Nummer 1 mit Skiltskin in den Charts war.


Ich erinnere mich noch an den großen Presserummel mit Genesis und dem neuen Sänger Ray Wilson unter dem Fernsehturm am Alex. welche Beziehung hast du zu Berlin ?

Ich habe das schon oft gesagt. Besonders den Osten Berlins mag ich sehr, es ist meine liebste Stadt in Europa. Irgendwas liegt hier in der Luft. Es ist so, als ob ich in einem früheren Leben hier schon gelebt hätte. Ich fühl mich sehr wohl hier. Ich habe also sowieso ein gutes Gefühl für diese Stadt Als diese Genesis-Präsentation war, hatte ich inoch nicht diese Beziehung zu Berlin. Das war es nur eine andere Stadt für mich.

Das war eine verrückte Sache. Es war ein akustische Präsentation, sie hatten noch nicht mal ein Schlagzeug da, der Drummer trommelte neben mir auf einen Tisch. Es war Genesis - um Gottes Willen - und er schlug auf einen Tisch und einen Stuhl mit seinen Drumsticks. Als ob in letzter Minute nichts Besseres eingefallen wäre. Wenn ich daran zurück denke. Wahnsinn, so etwas zu machen.

Aber es funktionierte sehr gut. Ich war sehr darauf aus, mit Genesis alles wieder auf den Kern der Rockmusik zurück zu bringen. Genesis mit dem großen Megasound, dieser großen Produktion, ich versuchte Mike und Tony dazu zu bewegen, es zurückzufahren. Auch bei den Konzerten, ein paar kleine Acustic-Sessions zu integrieren, damit man auch mal meine Stimme hören konnte, ob man sie nun mag oder nicht.

Ich bin nun mal Sänger, den man lieben oder hassen kann. Das war der Grund, warum wir die Presse-Präsentation in Berlin für Europa und in Cap Caneveral für die USA so runtergefahren haben.


Wir sind mitten in der Zeit der Zusammenarbeit von Ray Wilson mit Genesis. Wie war das, mit diesen Giganten, Tony Banks und Mike Rutherford von Genesis, zusammen zu arbeiten. Die sind so erfolgreich und da ist so ein junger Neuankömmling in der Band. Haben sie dir überhaupt zugehört?

Sie haben mir zugehört. Mike und Tony sind typische, traditionelle Engländer. Ganz alte Schule, wie Gentlemen mit Dingen umgehen. Sie sagen nicht wirklich ihre Meinung, du weißt nicht genau, ws los ist. Du bleibst immer im Ungewissen. Jetzt bin ich ein bisschen älter und erkenne die Kraft darin.

Aber damals war es sehr frustrierend. Ich war voller Energie, jung und ziemlich arrogant, aggressiv, wollte etwas bewegen. Die beiden haben fast das Alter meines Vaters, zurückgelehnt, unterkühlt, zurückhaltend, sich nur wenig ausdrückend. Ich fand das sehr, sehr fremdartig. Wir haben in einem Studio auf einer Farm Mitten im Nirgendwo bei völliger Ruhe aufgenommen.

Da bin ich fast verrückt geworden. es war so langweilig. Musikalisch gesehen war es egal, ob wir unterschiedlich im Alter, Engländer oder Schotten waren, es ging nur um die Musik. Sie waren sehr gut in allem, was sie machten, meine Stimme war gut, es funktionierte.

Es kam mir immer sehr normal und natürlich vor, mit ihnen zu arbeiten. Außerhalb der Musik, was da im Popbusiness mit Genesis abging, da fühlte ich mich als junger Schotte total wie ein Außerirdischer.


Wir haben schon über den Druck unterhalten, der auf einem lastet, wenn man Erfolg halten will. Aber als neue Musiker in einer erfolgreichen Supergroup, das ist doch ein zusätzlicher Druck. Der Erfolg von Genesis mit dem neuen Sänger war nicht so wie erhofft. Es wurde nur eine kurze Gastrolle.

Es war verrückt. Für mich ging alles steil nach oben, der Erfolg und das "Calling Out Stations"-Album war das viertbest verkaufte Album von Genesis, was in meinen Augen immernoch ein Erfolg ist. Für sie war es ein Abstieg nach 15 Millionen verkaufter Alben von "We Can't Dance".

Eine merkwürdige Situation. Ich habe tatsächlich den Druck gar nicht bemerkt. Ich gab mein Bestes und war selbstbewusst als Sänger. Ich hatte nie das Gefühl: Oh Gott, schaffe ich das! Natürlich kann ich das. Natürlich bin ich gut. Und das war ich.

Das war sicherlich auch der Grund, warum sie mich genommen hatten, um den Job zu machen, weil ich den Glauben an mich selbst hatte. Ob es nun Erfolg oder Misserfolg war, für mich war es in jedem Fall Erfolg. Und ich sehe es auch heute als Erfolg.


Nachdem du wieder allein auf dich gestellt warst, hast du gesagt, ich will nie mehr was mit den Songs von Genesis zu tun haben. Irgendwie ist es erstaunlich, dass duauf diese Art und Weise zurückgekommen bist zu den Genesis-Songs. Was hat den Blick zurück verändert?

Genesis ist wie ein Tatoo. Du wirst es nicht los. Selbst wenn du es willst. Es geht nicht weg. Zuerst war ich nur sauer auf sie. Wir wollten ein paar Alben zusammen machen. Wir machten das erste Album, macten Tour, erst an deren Ende ich das Gefühl hatte, wir sind eine Band. Es hatte sich entwickelt. Und für mich war es ein Verbrechen, nicht das nächste Album in Angriff zu nehmen.

Selbst wenn wir es aufgenommen und nie veröffentlicht hätten. Wir hätten es tun sollen, weil da etwas war zwischen uns. Natürlich waren es Phil Collins und Peter Gabriel, und ich wollte es weniger kommerziell, aber sie waren an die Zahlen gewöhnt. Und ich kämpfte dafür. Aber jetzt auseinanderzugehen, war der falsche Weg, fand ich.

Und als sie ein paar Jahre später mit Phil wieder zurück kamen für die "Greatest Hits-Tour" gab es keine neuen Songs. Ich fand das ziemlich traurig. Ich habe die Jungs getroffen während der Tour und gesagt, warum habt ihr nichts Neues? Ihr nehmt nur das Geld. Als ich mit meiner Solokarriere begann, war ich verloren und durcheinander. Nicht nur, weil sie mich verlassen hatten, ich hatte jede Menge Geldschwierigkeiten.

Ich war ziemlich desillusioniert und starrte ins Leere, wusste nicht, was ich tun sollte. Als ich mich entschloss, zurück auf Tour zu gehen, haben mich Freunde überredet, alte Songs in akustischen Versionen zu spielen. Wenn du auf einem Festival in einer Ecke sitzt mit der Gitarre, deine Stimme ist so stark und überwältigend, mach das, es funktioniert.

Deshalb habe ich eine Show gemacht, Songs gespielt, ein bisschen über meine Karriere erzählt in kleinen Clubs mit an die hundert Leuten. So 12 Gigs, 90 Minuten, 2 Stunden lang. Um das mit großer Band zu machen hatte ich kein Geld, also fing ich mit akustischen Arrangements an. "Carpet Crawlers", im Original mit Piano, "In The Air Tonight" von Phils Karriere, "Biko" von Peter Gabriels Karriere, und ich versuchte ein paar akustisch. Und die Leute mochten es.

Mit dieser Mischung neuer Songs und alten akustik-Fassungen bekannter Hits habe ich ein paar Shows in Deutschland gemacht. und die Leute scheinen es zu mögen. Auch bei meinen Stiltskin-Konzerten sind Genesis-Fans, die danach fragen. Ich habe also die Wahl: Zum Teufel mit Genesis, ich spiele nie wieder etwas davon, oder ich gebe den Leuten, was sie hören möchten. Wenn sie es mögen, warum nicht.

Es hält meine Karriere am Laufen. Mit dem Geld, das ich auf Touren verdiene, kann ich neue Alben mit meiner Musik produzieren. Als dieses "Genesis Klassik"-Idee von meinem Agenten in Deutschland kam, weil großes Interesse von unterschiedlichen Veranstaltungsorten wie Burgen, Theatern u.ä. geäussert wurden, mussten die Keyboard-Teile für Streicher umgeschrieben werden. Trotzdem den ursprünglichen Charakter zu erhalten, das war eine interessante Herausforderung.

Das haben wir mit großen Erfolg in Salzgitter probiert. Jetzt haben wir 6 Shows davon. Mal sehen, ob es funktioniert. Es gibt tolle Arrangements wie das von "Carpet Crawler", klingt so super. Oder "Jesus He Knows Me", was ich nie mit Genesis gesungen habe, aber immer schon gemocht habe, klingt total anders durch das Streicherarrangement. So klingt alles irgendwie neu, und das hält mein Interesse wach. Wenn ich die Originale nur klonen und covern würde, hätte ich keinen Spaß daran.

Das machen Coverbands oder "Tribute to"-Gruppen, die exakt wie das Original klingen. Dafür gibt es sicherlich einen Markt und Leute mögen das. Aber es interessiert mich nicht. Da muss etwas mehr drin sein für mich. Und die klassische Variante macht mir Spaß. und ich möchte noch mehr damit variieren. Vielleicht noch ein bisschen Folk zu den klassischen und Rockelementen. "That's All" könnte z.B. noch mehr Dixie-Elemente vertragen mit Mandolinen z. B., oder einem Trompetensolo.

Ich habe das alles im Kopf. Ich war mir erst nicht sicher, ob sowas geht, aber jetzt weiß ich, dass es funktioniert und die Leute ihren Spaß haben. Bin gespannt, was in den nächsten Monaten passiert.


Am Ende macht Ray Wilson mit den Genesis-Songs das, was er mit den Jungs von Genesis bereits umsetzen wollte, ein bisschen mehr experimentieren mit dem alten Songmaterial.

So ist das wohl. Solange die Leute das wollen. Ich denke, Genesis werden wohl nicht mehr auf Tour gehen. Und das sind alles große Songs, auch die, die ich selbst mit der Band gesungen habe als ein Teil der Geschichte. Also mach ich's ein kleines bisschen anders, nicht andauernd, ich weiß, dass man die Dinge vertraut bleiben lassen muss. Aber etwas kreativ damit umgehen und schauen, was daraus wird. Deshalb ist das Projekt so interessant für mich.


Ich habe gehört, dass Phil Collins und Ray Wilson keine dicken Freunde sind. Was ist mit Peter Gabriel ?

Ich habe Peter nie getroffen. Und ich würde nicht sagen, dass Phil und ich keine Freunde sind. Ich habe ihn 3 oder 4 mal getroffen. Ich würde nicht sagen, er liebt mich oder er hasst mich. Ich habe solche Gefühle nicht.

Ich weiß, dass er die Idee nicht gern gesehen hat, dass die Band ohne ihn weitermacht. Aber das war keine persönliche Abneigung gegen mich. Aber er hat mich in Interviews nie namentlich erwähnt, was ich sehr merkwürdig fand. Er annte mich "den andern Typen". Für einen Mann seiner Größe fand ich das schade.


Das macht ihn klein.

Sieht so aus. Das war keine große Sache. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, hat er mich herzlich umarmt und von dem Buch erzählt, das sie rausbringen wollten, und dass er was Nettes über mich im Buch geschrieben hat. Ich habe mich bedankt, aber gedacht, warum sollte das relevant für mich sein, wenn er was

Nettes über mich sagt. Der kennt mich gar nicht. Ich glaube, nsgeheim ist Phil glücklich, dass sie nicht mit mir weiter gemacht haben. Warum bloß? Er ist eine Legende. er ist einer der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten. Und er ist sehr, sehr gut, daran gibt es keinen Zweifel.


Was macht du denn in Polen?

Ich habe dort meine Freundin kennen gelernt. Ich bin in Posen aufgetreten. Sie hat mich dort gesehen, ohne zu wissen, wer ich bin, kam danach in den Club, wir haben uns unterhalten. sie arbeitet beim polnischen Tanztheater. Wir haben uns nur unterhalten. Meine Ehe war am Ende zu dieser Zeit. Und ich dacht - wow - was für ein toll aussehendes Mädchen.

Es gibt viele hübsche Mädchen in Polen. Das ist sicher. Ich habe sie gefragt, ob ich ihre Vorstellung besuchen kann, eine in Warschau und eine in Posen. Ich war da, wir haben uns näher kennen gelernt, ganz langsam, haben uns ineinander verliebt, weil sie in Polen beim Tanztheater ist und dort nicht weg kann, habe ich beschlossen, okay, ich bin 40 Jahre alt, vielleicht Zeit, mal Schottland zu verlassen und woanders zu leben. Jetzt bin ich ziemlich glücklich in Polen.

Ich bin überrascht, wie schnell ich mich dort zu Hause fühle. Ich dachte, es wäre schwieriger. Polen hat sich sehr verändert. Ist Mitglied der EU. Im negativen Sinne wird es wie alle europäischen Staaten mit all den Ladenketten, aber es hat auch immer noch seinen polnischen Charakter. Und ich kann mich zurücklehnen. Ich bin ein Junge der Arbeiterklasse und ich fühle mich gut in dieser Atmosphäre.

Vielen Dank für das Gespräch !