Das Album ist überraschend, denn Coldplay klingen anders als bisher. Früher hangelte sich ein Coldplay-Song an einem eingängigen Gitarrenriff oder einer Pianomelodie entlang, dominiert von der hohen, leicht näselnden Stimme Chris Martins – das hatte einen erkennbaren Stil, auch wenn viele das als „Stadion-Mainstream“ oder „Schmalzpop“ abgetan haben.
Wie hört sichs an?
„Mylo Xyloto“ ist eindeutig ein Bruch. Die Breitband-Gitarren sind großflächigen Synthezisersounds und elektronischen Experimenten gewichen, manche Songs klingen nach Dancefloor und weniger nach den großen Pop-Hymnen, für die Coldplay bekannt sind.
Was ist drauf?
Das Album ist eine Reise ins Gute-Laune-Land, das sieht man schon beim Booklet, sehr bunt und knallig, Graffiti-Artwork. Auf richtige Knaller wie "Speed of Sound" oder "Clocks" lauert man vergeblich, aber man muss vielleicht erstmal abwarten, bis die Songs sich entfalten, bis man Coldplay, wie man sie bislang kannte, in ihnen wiederfindet.
Das Fazit
Beim ersten Hören erscheinen zu viele der Songs unentschlossen und übertrieben aufgeblasen. Die Band möchte offenbar ein das "kleinstegemeinsameNenner"-Image abstreifen, opfert dafür aber ihre Stärke, nämlich große Melodiebögen schreiben zu können. Diese Fähigkeit blitzt nur gelegentlich auf "Mylo Xyloto" auf, das ist etwas enttäuschend für die zur Zeit kommerziell erfolgreichste Band der Welt.
Autor: radioBERLIN 88,8-Musikredakteur Heiner Knapp
Titelliste
1. Mylo Xyloto
2. Hurts Like Heaven
3. Paradise
4. Charlie Brown
5. Us Against The World
6. M.M.I.X.
7. Every Teardrop Is A Waterfall
8. Major Minus
9. U.F.O.
10. Princess Of China
11. Up In Flames
12. A Hopeful Transmission
13. Don't Let It Break Your Heart
14. Up With The Birds